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Trauerbegleiterin Chris Paul und Clownin Aphrodite gehen im PZ-Forum der Frage nach: „Macht Schuld etwa Sinn?“ Foto: Eickhoff
Trauerbegleiterin Chris Paul und Clownin Aphrodite gehen im PZ-Forum der Frage nach: „Macht Schuld etwa Sinn?“ Foto: Eickhoff
09.11.2018

„Macht Schuld etwa Sinn?“ – Vortrag im PZ-Forum beschäftigt sich mit Schuldgefühlen

Pforzheim. Es war eine Zuschauerin am Ende einer Vorstellung, die der Trauerbegleiterin Chris Paul eine Frage gestellt hat: „Mein Sohn hat sich das Leben genommen, ich fühle mich so schuldig, was soll ich nur machen?“

Darauf Paul mit einer Gegenfrage: „Was wäre, wenn die Schuld weg wäre?“ Die Zuschauerin antwortete: „Dann wäre mein Sohn weg.“ Da wurde Paul klar, dass für diese Frau und viele andere Trauernde Beschuldigungen gegen sich und andere ein Weg sind, innere Verbundenheit herzustellen zum Verstorbenen. Es ist eine harte, kalte und kostspielige Verbundenheit, aber eine sehr feste.

Es sind hilfreiche Hinweise, die die bekannteste Trauerbegleiterin Deutschlands, Chris Paul, dem Publikum im ausverkauften PZ-Forum am Mittwochabend auf den Weg gibt. Eingeladen hatte sie die Initiative „Runder Tisch Trauer“. Unter dem Titel „Macht Schuld etwa Sinn?“ bringt Paul zusammen mit der Clownin Aphrodite alias Ida Maria Paul das Thema Schuldvorwürfe, Rachsucht und Bußfertigkeit vor allem in Trauerphasen als szenischen Vortrag auf die Bühne. Auf ernste und zugleich heitere Weise wird an diesem Abend Schweres leicht gesagt. Chris Pauls erfolgreiches Buch „Schuld macht Sinn“ ist die Grundlage der Vortragsperformance.

Erdrückende Last

Die zarte Aphrodite verschwindet am Anfang unter einem riesigen Karton, er ist ein Symbol für eine Last von Schuldgefühlen, die sie mit Hilfe von Chris Paul über den Abend nach und nach verlassen. Beide stellen sich die Frage: „Wer weist wem Schuld zu?“ Beschuldigungen sieht Paul als Fähigkeiten, die jeder besitzt und wie Pfeile in verschiedene Richtungen schießt. Im Sterbe- und Trauerkontext sind es dann Sätze wie „Der Arzt hat es nicht richtig gesehen!“ oder „Gott hätte das nicht zulassen dürfen!“ Die häufigste Schuldzuweisung ist aber gegen sich selbst gerichtet. „Durch diese Schuldgefühle gehen drei wichtige Dinge in unserem Leben verloren: Humor, Respekt und Mitgefühl“, betont Paul. „Dennoch können Beschuldigungen auch eine Art von Hilfe sein für zerbrochene Lebensgeschichten. Schuldige sind ein Sinnmacher und Erzählhelfer. Es entsteht eine Sehnsucht nach Zusammenhang und Nachvollziehbarkeit.“

Auch Clownin Aphrodite hat durch den Tod ihrer Freundin Arabella an Krebs durch Schuldgefühle an Lebensqualität verloren. Zwischen den Freundinnen bestanden Beziehungsfäden aus Erinnerungen, die nach und nach durch die Schuldzuweisungen im Zuge der Krankheit in sich zusammen gefallen sind. Chris Paul stellte als Trauerbegleiterin Aphrodite gezielte Fragen nach den verloren geglaubten Erinnerungen an Arabella. Damit half sie Aphrodite, die positiven Bindungsfaktoren zu ihrer verstorbenen Freundin wieder zu spüren. „Dadurch sind die Beschuldigungen nicht alle weg, aber sie verlieren an Macht“, erklärt Paul und nimmt so Aphrodite einen Teil ihrer Last.