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© Symbolbild: dpa
09.03.2018

Malteser in Pforzheim von bewaffnetem Räuber überfallen - Polizei: Nur ein Märchen

Pforzheim/Neuss. Polizisten müssen sich in ihrem Dienstalltag vieles anhören. Ein ganz besonderes Märchen bekamen Beamte aus Neuss am Dienstagnachmittag zu hören. Ein 40-Jähriger berichtete dort mit offenbar nur mäßigem erzählerischen Talent von einem bewaffneten Raubüberfall, bei dem ihm in Pforzheim sein gemieteter Jeep Grand Cherokee entwendet wurde. Doch die Neusser Polizisten zählten offensichtlich nicht zu den Leichtgläubigen.

Aufgelöst schilderte der maltesische Geschäftsmann der Polizei in der nordrhein-westfälischen Großstadt, dass er gegen 13.30 Uhr in der Innenstadt von Pforzheim in einem Jeep Grand Cherokee Mietwagen unterwegs gewesen sei. Als er anhielt, um ein Telefonat zu führen, riss plötzlich ein Unbekannter die Beifahrertür auf und bedrohte ihn mit einer Schusswaffe. Der Malteser sprang daraufhin aus dem Wagen. Der Räuber setzte sich hinter das Steuer der Geländelimousine und verschwand in unbekannte Richtung.

Soll es ja alles schon gegeben haben. Aber in Pforzheim?

Das vermeintliche Opfer lief nach eigenen Angaben zum nahegelegenen Hauptbahnhof, stieg in ein Taxi und ließ sich zur Polizeiwache Neuss fahren. Ob er den Pforzheimer Polizisten nicht so recht traute? Fragen über Fragen. Schon während der 40-Jährige den Kriminalbeamten in seiner Vernehmung den Vorfall schilderte, zeigten sich erste Ungereimtheiten.

Tatsächlich ergaben die Folgeermittlungen, dass der Raub der Geländelimousine vorgetäuscht war. Ursprünglich hatte der 40-Jährige das Fahrzeug im Februar 2018 in Pforzheim angemietet und nicht rechtzeitig zurückgegeben. Eine dementsprechende Strafanzeige wegen Unterschlagung lag bereits vor.

Ersten Erkenntnissen zu Folge ist der Jeep in der Zwischenzeit ins Ausland verschoben worden. Zur Verschleierung seiner Tat wollte der Geschäftsmann anzeigen, dass ihm der Wagen geraubt worden sei. Sonderlich intelligent schien sich der Malteser dabei aber nicht angestellt zu haben.

Den 40-Jährigen, ohne festen Wohnsitz in Deutschland, führten die Neusser Ermittler am Mittwoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft einem Richter vor, der einen Untersuchungshaftbefehl gegen den Mann erließ. Die weiteren Ermittlungen dauern an und in Pforzheim kann man aufatmen, dass es hier einen bewaffneten Räuber weniger gibt.