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Alles dicht: ein alltäglicher Anblick zur Mittagszeit auf der Kiehnlestraße vor dem Hilda-Gymnasium. Foto: Ketterl
Alles dicht: ein alltäglicher Anblick zur Mittagszeit auf der Kiehnlestraße vor dem Hilda-Gymnasium. Foto: Ketterl
Für die Mitarbeiter, die in der Garage der PZ geparkt haben, kann es zu Stoßzeiten eine echte Herausforderung sein, pünktlich zum nächsten Pressetermin zu kommen. Foto: Ketterl
Für die Mitarbeiter, die in der Garage der PZ geparkt haben, kann es zu Stoßzeiten eine echte Herausforderung sein, pünktlich zum nächsten Pressetermin zu kommen. Foto: Ketterl
28.10.2015

Mami-Stau zu Schulschluss vor dem Hilda-Gymnasium

Da wird gehupt und gedrängelt, Stoßstange an Stoßstange geparkt, Chaos im absoluten Halteverbot. Die Motoren röhren, die Warnblinker laufen Amok. Garageneinfahrten sind zugestellt, die Straße blockiert, kein Durchkommen mehr. Dieses Bild zeigt sich fast täglich, pünktlich um 13 und um 14.30 Uhr auf der Kiehnlestraße vor dem Hilda-Gymnasium. Mami-Stau zu Schulschluss. Plötzlich ein Hupen, dann ein Krachen – ist da doch tatsächlich eine von ihnen am Dienstagmittag dem PZ-Fotografen im Rückwärtsgang auf den Karren gefahren. Dabei hatte der sich gerade noch so gefreut, dass er zu dieser Uhrzeit ausnahmsweise überhaupt mal aus der PZ-Garage hätte fahren können, ohne dass minutenlange Manöver nötig sind, um die Einfahrt freizumachen.

Nur, wozu dieser ganze Stress? Damit klein Susi pünktlich zum Tennistraining kommt? Paul keine Zeit für die Hausaufgaben verliert? Keineswegs. Es muss reinste mütterliche Fürsorge sein, die sich hier Bahn bricht. Wie kaltherzig muss man schließlich sein, um Sohnemann oder Töchterlein der Grausamkeit des urbanen Nahverkehrs auszusetzen? Diesem rollenden Schlachtfeld, aus dem keiner ohne Blessuren rauskommt? Dieser Ansammlung pubertärer Stimmungsschwankungen auf engstem Raum? Dem Schulbus. Und den wohl nervenaufreibendsten zehn Minuten im täglichen Leben eines jeden Schülers, der das Pech hat, nicht einfach zum Unterricht laufen oder radeln zu können. Beim Anblick der Mamikolonne im Hilfseinsatz werden quälende Erinnerungen wach. Dorfkindmomente abseits von Idylle, Natur und heiler Welt. Der Terror beginnt schon an der Haltestelle.

Da wird gedrängelt und geschubst, was das Zeug hält, umeinen Platz in der zweiten Reihe der Wartenden zu ergattern.

Zerren am Schulranzen oder am Pferdeschwanz – alles ist erlaubt. Bloß nicht an vorderster Front landen, sonst finden sich Susi und Paul schneller eingequetscht zwischen noch geschlossener Bustür und drängelnder Meute wieder als Fliegen unterm Muckenbatscher. Aber immer noch besser, als in der dritten Reihe zu warten – wer als Letzter einsteigt, den bestraft das Leben. Mit einem Stehplatz. Und das wäre – das weiß doch jedes Kind – nicht nur unbequem, sondern auch eine perfekte Vorlage für Hohn und Spott. Bevorzugt aus dem Lager der Allercoolsten, die üblicherweise in der letzten Sitzreihe fläzen. Es dorthin zu schaffen, ist ohnehin das einzige Ziel, auf das Schüler jahrelang verbissen hinarbeiten.

Nach Monaten der Tortur schaffen sie es auf ihren ersten Fensterplatz. Und irgendwann, endlich, endlich, kommt der Tag, an dem sie im hinteren Drittel des Busses allein einen Zweiersitz in Anspruch nehmen und jeden anderen mit einem lässigen „Hau ab, da sitzt mein Rucksack“ in seine Schranken weisen können.

Manche Dinge ändern sich nie.

Außer vielleicht, dass es damals der soziale Supergau war, von Mami abgeholt zu werden – und einfach nur unendlich peinlich. Dann doch lieber die paar Minuten am Tag eingequetscht zwischen dem dicken Kevin und der müffelnden Jacqueline die Luft anhalten. Gute, alte Zeit.

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