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Foto: dpa/Symbolbild
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22.02.2018

Mann soll Bekannte in Pforzheimer Wohnung stundenlang gequält haben

Pforzheim. Im Trainingsanzug ist der 51-Jährige an diesem Donnerstagnachmittag vor Gericht erschienen, um stoisch das Verlesen der Anklageschrift mitzuverfolgen. Was Oberstaatsanwältin Gabriele Gugau schildert, ist eine Leidensgeschichte. Sie spricht von „besonderer Erniedrigung“, „Zwang“, „Gewalt“ und „erheblicher Angst“.

Ihr Vorwurf wiegt schwer: Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Bedrohung. Stundenlang soll dieser Mann, der derzeit in U-Haft sitzt, eine gute Bekannte gequält haben. Es war am 2. August des vergangenen Jahres gegen 13.30 Uhr, als die Frau den Freund in seiner Pforzheimer Wohnung aufsuchte. Laut Staatsanwaltschaft hatte dieser sie zu sich gebeten, um ihr etwas Wichtiges mitzuteilen.

Von hinten habe der gebürtige Pforzheimer seinen Gast mit dem einen Arm am Hals gepackt, mit der anderen Hand an der Schulter festgehalten: „Ich lass dich nicht raus!“ Richtung Schlafzimmer soll er die Frau bugsiert und aufs Bett gestoßen haben – trotz deren heftiger Gegenwehr. Diese sei zierlich und ihm körperlich völlig unterlegen, betont Gugau. Mit derben Worten habe er der Frau mitgeteilt, sich an ihr vergehen und sich selbst dann aus dem Fenster stürzen zu wollen. Unter Zwang entblößt und auf dem Bett fixiert, habe er die Frau mit Fingern penetriert und sich in der Folge weiter auf äußerst entwürdigende Weise an ihr vergangen.

Mehrere ihrer Versuche, die Wohnung zu verlassen, scheiterten. Doch dann war da dieser kurze, unbeobachtete Augenblick, in dem die Frau zum Handy greifen und einen Hilferuf an eine Verwandte aussenden konnte. Diese alarmierte umgehend die Polizei. Gegen 19.30 Uhr – sechs Stunden, nachdem die Frau arglos die Wohnung ihres Bekannten betreten hatte – waren die Einsatzkräfte vor Ort.

Ob sich die Vorwürfe gegen den Mann, der seit dem 25. August in Untersuchungshaft sitzt, erhärten und er gegebenenfalls geständig oder gar einsichtig ist, wird der weitere Verlauf der Verhandlung zeigen. Beim Auftakt blieb es beim Verlesen der Anklage. Der Prozess wird Mitte März fortgesetzt.