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© Symbolbild: dpa
11.10.2012

Mann und Frau sollen Hells Angels schwer verletzt haben

Pforzheim. „Ich weiß nicht“ ist eine Formulierung aus Zeugenmund, die man vor Gericht durchaus hin und wieder zu hören bekommt. So oft allerdings, wie während eines Verfahrens wegen „gefährlicher Körperverletzung“ gegen zwei junge Männer vor dem Amtsgericht, hört man es selten.

Besonders die Zeugen, die wie das Opfer aus dem Umfeld der inzwischen in Pforzheim verbotenen Rockergruppe Hells Angels stammten, schwiegen beharrlich zu dem, was in jener Nacht im November 2009 passierte. Auf die Frage der Richterin an einen der Zeugen, ob er sich gegenüber irgendjemandem verpflichtet habe, nichts zu sagen, blieb dieser eine Antwort schuldig. Und wenn ein Zeuge überhaupt Angaben vor Gericht machte, dann waren diese widersprüchlich zu dem, was andere Zeugen und auch das Opfer vorab gesagt hatten. Auch der Geschädigte – ehemaliger Supporter der Pforzheimer Rockergruppe – begann seine Zeugenvernehmung mit den Worten: „Ich erinnere mich im Prinzip an nichts.“
Bangen ums Überleben
Nur noch, dass er nach der Arbeit zu einem Kumpel gefahren, vor dessen Wohnhaus aus dem Auto gestiegen sei, „und dann habe ich eine drauf gekriegt“, so die Formulierung des Zeugen. Seine Erinnerung setze dann erst wieder auf der Intensivstation des Krankenhauses ein – dort war er nach Schlägen auf den Kopf mit einer Eisenstange oder einem Metallschlauch erwacht. Offenes Schädel-Hirn-Trauma zweiten Grades, Reden habe er nicht mehr können, und er sei einseitig gelähmt gewesen: So beschrieb der Geschädigte nüchtern seine schweren Verletzungen. Einen Tag nach seiner Einlieferung in ein hiesiges Krankenhaus musste er zur Notoperation in eine Spezialklinik nach Heidelberg geflogen werden. Die Ehefrau brachte im Zeugenstand das, was in jener Nacht geschah, auf den Punkt: „Es war ganz schlimm, weil man nicht wusste, ob er es überleben wird.“ Wochenlang war ihr Mann nach dem Übergriff noch im Krankenhaus und in Reha-Einrichtungen untergebracht.

Brutal zugeschlagen haben sollen zwei 27 und 28 Jahre alte Männer mit türkischen Wurzeln aus Pforzheim. Nur sind die beiden Männer überhaupt die Schläger? Der ominöse Hinweis eines Vertrauensmanns aus der Szene – also aus dem Umfeld der Hells Angels – hatte die Polizei auf ihre Spur gebracht. Im Briefkasten des Opferanwalts wurde eine Mütze mit DNA-Spuren des einen Angeklagten deponiert.
Woher stammt die Mütze?

Wer diese Mütze – welche die Täter nach dem Übergriff auf der Flucht verloren haben sollen – abgegeben hat, blieb im Verfahren bisher genauso schleierhaft wie die Tatsache, dass die Mütze – erst Monate später – unter einem stillgelegten Fahrzeug am Tatort gefunden wurde. Er sei überzeugt, dass die Spurensicherung am Morgen nach der Tat auch unter jenes Fahrzeug geschaut habe, so ein Polizeibeamter als Zeuge. rw.

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