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Weniger Besucher als im Vorjahr gab es bei der Kundgebung zum Gedenken auf den Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945. Oberbürgermeister Gert Hager beklagte die Eskalation zwischen  Rechten und Linken und die Uneinigkeit von Parteien und Gruppierungen beim Protest gegen die rechtsextremistische Mahnwache. 

Marktplatz-Kundgebung: Oberbürgermeister Gert Hager verurteilt Gewalt-Exzesse

Pforzheim. Sein "Entsetzen und Bedauern" hat Oberbürgermeister Gert Hager am Samstagabend angesichts der "unsäglichen Auswüchse von Links und Rechts" ausgedrückt. Er dankte der Polizei, die dafür gesorgt habe, dass die Lage "einigermaßen im Griff" geblieben sei. Die Kundgebung zum Gedenken auf den Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurde von einer eskalierenden Demonstration überschattet.

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Kundgebung der Initiative gegen Rechts in Pforzheim

Mahnwache der Rechtsextremen, Demonstration der Neonazi-Gegner, Großaufgebot der Polizei – haben Stadtverwaltung und Politiker genug getan, um den Gedenktag würdig feiern zu können?
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"Das darf es in Pforzheim nicht geben", bekräftigte Hager: "Wir sind eine friedvolle Stadt und wollen das bleiben." Solche "Chaoten" hätten hier nichts zu suchen. Deutlich weniger Bürger als im Vorjahr hatten sich auf dem Marktplatz eingefunden, um der Opfer des Zweiten Weltkriegs und aller kriegerischer Auseinandersetzungen zu gedenken. Schätzungen reichen von 400 bis 600, die Stadtverwaltung geht von 800 Teilnehmern aus. 2012 waren es 1200 gewesen.

Hager prangerte in seiner Rede die Auseinandersetzungen im Vorfeld zum Umgang mit den Rechtsextremisten an, die den Gedenktag mit einer sogenannten "Mahnwache" auf dem Wartberg missbrauchen. "Streit, Streit und nochmals Streit und vor allem Beharren auf dem eigenen ideologischen Standpunkt": Dieses Bild hätten die Menschen, die im vergangenen Jahr noch gemeinsam auf dem Marktplatz gestanden hätten, in diesem Jahr abgegeben. Die Demokratie müsse es aushalten können, einigen verirrten Geistern zu ermöglichen, ihre Sicht der Dinge vorzutragen. Die Waffe gegen Extremismus sei eben nicht die Gewalt.

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Neonazi-Gegner demonstrieren gegen Rechtsextremisten

"So wie in diesem Jahr werden wir gar nichts erreichen, überhaupt nichts", mahnte Hager. Viele Bürger seien angewidert "von diesen nutzlosen Zänkereien". Auf dem Wartberg stünden die, die man loswerden wolle. "Dort oben stehen die - es ist nicht der linke und der rechte Nachbar neben uns hier auf dem Platz". Der Oberbürgermeister rief dazu auf, künftig wieder geschlossen gegen Extremismus und für Versöhnung einzustehen.

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Pforzheimer Mosaikaktion als Zeichen gegen den Krieg

In einer Lesung erinnerte Klaus Gerber vom Stadttheater anhand von Zeitzeugenberichten an den Abend vor 68 Jahren, an dem mehr als 17.000 Menschen in Pforzheim den Tod gefunden hatten. Ab 19.50 Uhr, dem Beginn der damaligen Bombardierung, erfüllte Glockengeläut die Stadt.

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Gedenkfeier zum 23. Februar auf dem Hauptfriedhof