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22.07.2008

Mehr Fußstreifen, weniger Autofahrten? Polizei beklagt hohe Spritkosten

Die Treibstoffpreise steigen, und das spüren vor allem diejenigen, die von Berufs wegen täglich viele Kilometer fahren müssen. Die Polizei in Baden-Württemberg erwartet für dieses Jahr Mehrkosten von mehreren Millionen Euro. „Es wird knapp werden“, prophezeit Wolfgang Schick, Sprecher der Pforzheimer Polizei, mit Blick auf das Budget der Polizeidirektion Pforzheim. Bleiben deshalb die Polizeiautos jetzt in der Garage stehen? 

Eine konkrete, schnell greifende Lösung für dieses Problem gebe es nicht. Eines allerdings werde bestimmt nicht geschehen, so Schick: „Die Sicherheit der Bürger steht immer im Vordergrund – und daran wird sich auch durch die gestiegenen Kosten nichts ändern.“

Die Polizei verfügt landesweit über ein Zentralbudget. Und im Regierungspräsidium Karlsruhe seien bereits, so Schick, mögliche Ansätze zur Lösung des Problems besprochen worden. Das Benzinbudget für 2008 orientiere sich am vergangenen Jahr, doch wenn das nicht ausreiche, würden Gelder von finanziell besser gestellten Polizeidirektionen umgeschichtet und zentrale Mittel zugeschossen. Recht zuversichtlich meint Schick: „Es kann ausgeholfen werden.“

125 Fahrzeuge besitzt die Polizeidirektion Pforzheim, 2,2 Millionen Kilometer wurden damit im vorigen Jahr verfahren und 200.000 Liter Diesel und Benzin verbraucht. Und daran soll sich auch dieses Jahr nichts ändern. „Wir werden auf keinen Fall unsere Präsenz aufgeben oder die Kontrolle einschränken“, erklärt der Polizeisprecher. Dennoch: Jeder einzelne Streifenpolizist könne seinen Teil dazu beitragen, die Belastung möglichst niedrig zu halten. Dafür gebe es sogar Spritsparkurse, in denen ein Ingenieur den Polizisten erklärt, wie der Treibstoffverbrauch mit einfachen Mitteln und schonender Fahrweise verringert werden kann.

Ein Umsatteln auf Fuß- und Fahrradstreifen hält Schick allerdings nur bedingt für sinnvoll. „Wenn genügend Streifenwagen im Einsatz sind, kann man es sich auch leisten, verstärkt Fahrräder zu verwenden.“ Auch hier jedoch dürfe der Schutz der Bevölkerung niemals vernachlässigt werden.

„Allein von der Topographie her ist das Fahrrad in Pforzheim als Fortbewegungsmittel nicht überall geeignet. Wenn man beispielsweise den Buckenberg hinauf muss, strampelt man tüchtig.“ Fahrräder kämen daher vor allem im Park zum Einsatz. „Jedes Revier verfügt über zwei Fahrräder – und je nach Jahreszeit ist die Fahrradstreife zirka zweimal monatlich unterwegs.“ In bestimmten Situationen seien die Räder sogar nützlicher als der Streifenwagen: „Bei Fahrradveranstaltungen, zum Beispiel, oder wenn am Fluss irgendetwas los ist – da ist man mit dem Rad einfach viel näher dran“, erklärt Schick.

Noch mehr Vorteile biete die Fußstreife – die täglich zwei bis drei Stunden lang in der Innenstadt für Recht und Ordnung sorgt. „Straßenkriminalität – Taschendiebe, Rauschgifthändler zum Beispiel – bekommt man auf diese Weise viel besser in den Griff.“ Und: „Der Kontakt zu den Bürgern ist größer, die Hemmschwelle sinkt. Bei der Bevölkerung kommen die Fuß- und Fahrradstreifen sehr gut an.“