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PZ-Redakteur Thomas Kurtz im Gespräch mit Ralf Gerber vom Polizeipräsidium Karlsruhe. 
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Präsentation der Verkehrsunfallstatistik des Polizeipräsidiums Karlsruhe am Freitagmorgen 
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30 Verkehrstote gab es im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe im Jahr 2016. 2017 waren es 51. 

Mehr Unfälle, mehr Verkehrstote in Pforzheim und im Enzkreis

Pforzheim/Enzkreis/Karlsruhe. „Das flächendeckende Konzept präventiver und repressiver Maßnahmen der Polizei hat nur zum Teil gegriffen.“ Polizeidirektor Ralf Gerber wirkt nicht gerade glücklich als er im Polizeipräsidium Karlsruhe mit der Vorstellung der Verkehrsstatistik für das Jahr 2017 beginnt. Im vergangenen Jahr gab es deutlich mehr Verkehrstote im Bereich seines Präsidiums als 2016 - und das ist nicht typisch für den Landestrend.

Karlsruher Polizei verzeichnet mehr Verkehrstote 2017
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Karlsruher Polizei verzeichnet mehr Verkehrstote 2017

Mussten 2016 noch 30 Menschen auf den Straßen des Polizeipräsidiums Karlsruhe ihr Leben lassen, so ist im Vorjahr 2017 mit 51 getöteten Personen ein enormer Anstieg zu verzeichnen. 2013 gab es 90 Verkehrstote. Danach ist diese Zahl deutlich gesunken, auch wenn es Schwankungen gab. 2016 markierte mit 30 Verkehrstoten den Tiefststand, 2011 war es 35. Warum aber gerade 2017 solch einen deutlichen Zuwachs auf 51 Verkehrstote?

Hohe Todeszahlen in Karlsruhe und im Landkreis Calw, Konstanz in Pforzheim und im Enzkreis

„Die hohe Anzahl von Geschwindigkeitskontrollen speziell an unfallträchtigen Orten und geschwindigkeitsbedingten Gefahrenstellen haben ihre Wirkung nicht voll entfaltet. Dieser Kontrolldruck muss zukünftig noch intensiviert werden, um die Einsichtsfähigkeit der Verkehrsteilnehmer zu schärfen und dadurch Verhaltensänderungen zu erreichen“, so Polizeidirektor Gerber.

Aber dann gibt es auch immer wieder Faktoren, die nicht so leicht beeinflussbar sind, denen man auch mit Prophylaxe und Planung nicht gegensteuern kann. Im Landkreis Calw stieg zum Beispiel die Zahl der Verkehrstoten von fünf auf zwölf. Aber hier gab es mit dem tragischen Unfall bei Nagold, bei dem ein Müllwagen auf ein Auto kippte und eine ganze Familie ausgeklöscht wurde, gleich fünf Tote bei einem einzelnen Ereignis.

Krasser ist der Anstieg im Stadtkreis Karlsruhe: Von einem Verkehrstoten in 2016 wuchs die Zahl auf elf in 2017 an. Eine Folge der vielen Baustellen in der Stadt? Die Statistik kann darauf keine alles befriedigende Antwort geben. In Pforzheim (2016: zwei, 2017: drei Verkehrstote) und im Enzkreis (2016: fünf, 2017: sechs Verkehrstote) stiegen die Zahlen im Rahmen des üblichen statistischen Auf und Ab. Nicht nur die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer (2016: fünf, 2017: elf) ist stark erhöht, auch die polizeilich aufgenommen Motorradunfälle (556) erhöhte sich gegenüber 2016 (494) ebenfalls deutlich um 12,6 %.

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe ereigneten sich im vergangenen Jahr 38.408 Verkehrsunfälle und damit 2.540 Unfälle mehr als im Jahr 2016. Bei 4.429 Unfällen gab es, entgegen dem landesweiten Trend, 3,5 % mehr Verkehrsunfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen. Hier unterscheiden sich Pforzheim und der Enzkreis deutlich: Im Stadtkreis gab es 6,1 % mehr Unfälle, im Landkreis dagegen 10,9 %. Der Anstieg der Unfälle mit Personenschaden liegt aber fast identisch bei 9,3 % und 9,5 %.

Krasse Gegensätze im Vergleich Pforzheim/Enzkreis

Bei den Unfällen mit Radfahrern verzeichnet Pforzheim ein Plus von 62 %, im Enzkreis gab es 1,3 % weniger. Sind mehr Pforzheimer aufs Rad umgestiegen? Eine Antwort darauf gibt die Statistik nicht. Jetzt sind Verkehrsplaner gefragt, Pläne zu entwickeln, um das Radfahren in Pforzheim sicherer zu machen. Bei den verunglückten Fußgängern hat Pforzheim ein bedenkliches Plus von 11,3 %, während im Enzkreis die Zahl stabil blieb. Bei den Kindern ist es gerade andersherum. Pforzheim liegt bei den verunglückten Kindern (0 bis 13 Jahre) auf Vorjahresniveau, während die Anzahl im Enzkreis um 14,6 % anstieg. Wieder anders sieht es bei den „jungen Erwachsenen“ (18 bis 24 Jahre) aus. In Pforzheim verunglückten im Vorjahr 1,5 % mehr als 2016. Im Enzkreis ging die Zahl um 12,4 % zurück.

Gegensätzlich geht es bei den verunglückten Senioren (ab 65 Jahren) weiter: Pforzheim hat ein Plus von 50 % , beim Enzkreis sind es nur 12,7 % mehr. Dafür scheinen sich die Pforzheimer beim Thema „Alkohol am Steuer“ vernünftiger zu verhalten: Der deutliche Rückgang bei den Unfallen unter Alkoholeinwirkung mit einem Minus von 19 % wird vom Enzkreis nicht geschafft. Hier sind es nur 3,8 % weniger.

Die schwächsten Verkehrsteilnehmer

Schwächere Verkehrsteilnehmer, wie Kinder oder Senioren sind besonders gefährdet. 2017 verunglückten im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe 13 Senioren weniger als im Jahr 2016, dies bedeutet einen Rückgang von 2 %. Tatsächlich wurden 62 % der schweren Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren, die einen Bevölkerungsanteil von 20 % ausmachen, von diesen selbst verursacht. Kinder sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. 344 Kinder sind im Berichtszeitraum verunglückt. Dies sind 12 Kinder mehr (+3,6 %) als im Vorjahr. Die Zahl der schwerverletzten Kinder ging um 24 auf 43 zurück, die der Leichtverletzten stieg von 264 auf 299. Leider waren zwei tödlich verletzte Kinder als Mitfahrer zu beklagen.

Eine weitere Risikogruppe stellen im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe die jungen Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren dar. Sie sind nach wie vor bei schweren Unfällen überproportional zu 76 % als Verursacher beteiligt. Drei junge Erwachsene verunglückten tödlich, zwei mehr als 2016. Die positive Nachricht: Bei den jungen Fahrern ist die Zahl der Unfälle mit 2.945 im Gegensatz zu 3.119 im Vorjahr leicht zurückgegangen.

Leicht über dem Niveau des Vorjahres bewegen sich die Unfallzahlen der verunglückten Radfahrer mit 1.199. Mehr als die Hälfte aller Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern wurden von diesen selbst verursacht. Sieben Radler erlitten tödliche Verletzungen, drei mehr als 2016. Das Problem hier: Viele Radfahrer verzichten auf einen Helm – und der kann Leben retten.

Ebenfalls ein leichter Anstieg um 5,4 % ist bei den Unfällen mit Beteiligung von Fußgängern festzustellen. 41 % der Verunglückten waren Kinder und Senioren. Hierbei wurden fünf Fußgänger tödlich verletzt (2016: drei).

„Die negativen Entwicklungen der Verkehrszahlen werden erst recht ein Ansporn sein, die Anstrengungen hinsichtlich der Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Bekämpfung der Hauptunfallursachen noch weiter zu intensivieren. Dabei werden wir noch mehr als im Vorjahr ein Augenmerk auf das frühzeitige Erkennen von kritischen Entwicklungen und das rasche Ergreifen von zweckmäßigen und umfassenden Maßnahmen legen. Denn letztlich ist jedes getötete oder verletzte Opfer eines zu viel“, bekräftigte Polizeidirektor Gerber in seinen Ausführungen.