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Anja Ulrich, Leiterin der Interdisziplinären Frühförderstelle, zeigt die „Big Talker“, die Kinder auf Knopfdruck sprachlich fördern. 
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Sprachheiltherapeutin Karin Wolss setzt bei Treffen mit der zwei Jahre alten Hira gerne „Bello“ ein, der nicht nur bellen, sondern auch sprechen kann. Meyer 
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Ergotherapeutin Hanna Mareike Daub spielt mit der fünf Jahre alten Alina auf dem Tablet Xylofon. 
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Die Fachbereichsleiter Raffael Biscardi und Teresa Neuhaus probieren die neuen Geräten selbst aus. 

„Menschen in Not“: Gezielt fördern mit Mausklick und Co.

Im Eingangsbereich des Heilpädagogischen Zentrum an der Blumenheckstraße ist immer etwas los. Eltern mit Kindern kommen, andere gehen. Alles dauert etwas länger. Egal, ob die Kinder, die hier zur Therapie angemeldet sind, im Rollstuhl sitzen, an Krücken gehen oder anderweitig eingeschränkt sind; hier gibt es Hilfe. Hier sind die Fachleute, die genau auf sie eingehen und sie voranbringen.

Anja Ulrich leitet die Interdisziplinäre Frühförderstelle. Sie und die 15 anderen Mitarbeiter, die an und mit den Patienten arbeiten, kennen die Kinder und die Eltern. „Alle Mädchen und Jungen, die zu uns kommen, haben einen komplexen Förderbedarf.“ Manche sind gerade mal ein paar Wochen alt, andere schon kurz vor dem Schuleintritt.

Spätestens in der Schule haben Kinder – mit Einschränkungen oder ohne – Kontakt mit modernen Medien. „Heute haben Computer in unserem Leben einen festen Stellenwert eingenommen“, erklärt sie. „Natürlich ist die Dosis entscheidend.“ Würden Computer aktiv zum Lernen eingesetzt, bestünden für die Therapeuten und die Kinder ganz neue Möglichkeiten des Förderns.

Ulrich erinnert sich: „Vor 15 Jahren hat es ausschließlich Bildkarten zur Kommunikation mit Kindern, die sich nicht verständigen können, gegeben.“ Damals habe ein Junge in der Therapie immer auf das Kärtchen mit einer Banane gezeigt. Alle hätten ihm damals dann gleich eine Banane zu Essen gegeben. „Als der Junge in der fünften Klasse war und einen Talker, ein Hilfsmittel, mit dem er sich verständigen konnte, bedienen konnte, hat er sich endlich mitteilen können“, berichtet die Leiterin der Frühförderung. „Er hat gesagt: Ich mag gar keine Bananen.“ Noch heute kann Ulrich es kaum glauben. Diese Geschichte sei beispielhaft für viele. „Es ist ein Quantensprung, wenn man sich mitteilen kann. Das ist Teilhabe.“

In der Früherziehung sollen die modernen Therapiemittel schnell einziehen. „Es wird sicher nicht jedes Kind beim Nutzen eines Tablets lernen“, so Ulrich. Ganz wichtig beim Therapieansatz: „Wir müssen die Eltern mitnehmen und begeistern.“ Die Mamas und Papas dürften sich nicht nur als Pfleger der Kinder sehen. Hätte die Familie beispielsweise gemeinsam am Tablet Spaß, dann könne das die Beziehung mit dem Kind stärken. „Natürlich dürfe das Tablet aber nicht als Babysitter eingesetzt werden“, mahnt sie.

Deshalb ist geplant, dass das Notebook, die zwei iPads und fünf Tablets mit Zubehör und Rucksack, die „Menschen in Not“ finanziert, an der Blumenheckstraße deponiert werden. „Dann können die Therapeuten entscheiden, für welches Kind die jeweiligen Geräte eingesetzt werden. Und vor allem können die Therapeuten, die auf Hausbesuche gehen, diese nach Bedarf mitnehmen. „Dann kann mit den Eltern gearbeitet werden.“ Viele würden nämlich große Scheu vor den Tablets zeigen. Wer sich nicht auskenne, würde sich meist gegen die modernen Therapiemittel aussprechen. „Gerade bei der Vorbereitung auf die Schule ist es toll, wenn die Kinder schon mit Computern arbeiten können.“ Sie gehörten später dann zur Klassengemeinschaft und würden nicht ausgeschlossen werden. Auf den Tablets sind einfache Apps geladen. Zur Förderung der Motorik können Kinder mit den Fingern auf iPad Bilder malen, es gibt eine App zur Wortschatzerweiterung, mit einer anderen können Muster gelegt werden und auch eine Mathe-App darf nicht fehlen. „Die Geräte machen einfach Spaß“, sagt Anja Ulrich. „Und es gibt doch nichts Schöneres, als wenn Kinder gemeinsam mit ihren Eltern lautstark lachen. Egal, welche Einschränkung sie haben.“

Pflegebäder für die Werkstatt Lomersheim der Lebenshilfe

Als die Werkstatt 1996 gebaut wurde, dachte man noch nicht an Barrierefreiheit. Inzwischen sind aber 15 Prozent der dort tätigen Mitarbeiter eingeschränkt mobil. Derzeit wird in einem kleinen Bad, das provisorisch umgebaut wurde, für Hygiene gesorgt. ,,Menschen in Not“ hilft, die Umbaukosten in Höhe von 55000 Euro zu finanzieren. Schon bald werden zwei Sozialräume in sogenannte Pflegebäder umgebaut. Dort wird es bodenebene Dusche, barrierefreies WC, Pflegeliege sowie jeweils einen Deckenlifter geben.

Sprachkurs im Familienzentrum Au „Sprache ist der Schlüssel“, so heißt die Sprachförderung für Kinder unter Einbeziehung von Eltern und Betreuungspersonen, die im Familienzentrum Au bald stattfinden soll. Derzeit treffen sich dort täglich rund hundert Kinder im Alter von zehn Monaten bis zu sechs Jahren, die die Kinderbetreuung besuchen. Nachmittags kommen rund 25 Grundschulkinder zur Hilfe bei den Hausaufgaben. Alle Kinder haben Migrationshintergrund. Im Familienzentrum soll deshalb mit gezielter Sprachförderung Eltern und Kindern geholfen werden. Schließlich hatten in Pforzheim im vergangenen Jahr 60 Prozent der neu eingeschulten Kinder einen Förderbedarf im Bereich Sprachentwicklung. Die Kosten für die Sprachförderung betragen rund 15 000 Euro.

Neue Medien für die Interdisziplinäre Frühförderstelle des Caritasverband Pforzheim Der Umgang mit modernen Medien soll auch für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder selbstverständlich werden. Das Projekt „Barrierefrei mit Medien“ wird deshalb moderne Therapiemittel in den Mittelpunkt rücken. Auf diese Weise wird eine Unterstützung zur Erhaltung oder auch erst zum Aufbau der Selbstständigkeit geboten. Der Computer mit entsprechender oder auch ganz individuell angepasster Software leistet somit einen Beitrag zur Inklusion. Die neuen Medien bringen aber auch Spaß beim Lernen, denn sie bieten viele neue Möglichkeiten, Abwechslung und oft auch ganz neue Motivation. Eingesetzt werden Spielsoftware, Kommunikationssoftware, Software zur Bewegungsmotivation und Moderne Therapiemittel zur Bewegungsförderung. Rund 10 000 Euro wird die Ausstattung kosten.

Frühstück in zwei Kindertagesstätten In den Kindergärten Oranierstraße in der Oststadt und im Lukas Zentrum in der Weststadt ist mehr als jedes dritte Kind von Armut betroffen. So ist es die Regel, dass die Kinder oft nicht genug zum gemeinsamen Frühstück in den Kindergarten mitbringen können. Sie haben Hunger. Nun möchten die Leitungsteams Abhilfe schaffen. Das gelingt, indem künftig Büfetts angeboten werden. „Menschen in Not“ wird das Bestücken der willkommenen Abwechslung für ein Jahr finanziell tragen. Denn hungrig spielen, das macht keinen Spaß.