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Katja Keppler (links) und Elena Bas Gonzalez schauen gerne mit Roni (links) und Emelie Bücher an, während deren Mütter im Unterricht sind.  Foto: Moritz 
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Doris Winter, Leiterin des Familienzentrums Au, freut sich über die Schulkinder, die zur Betreuung kommen.  Foto: Moritz 
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Kursleiterin Felek Aydin (Mitte) unterstützt Inas und Intsar (rechts) beim Lernen in jeglicher Form.  Foto: Moritz 
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Frank Wolfangel und die Geschwister Tamizh und Sazwin (von links) machen viel Sport miteinander und tauschen sich dabei bestens aus.  Foto: Moritz 

„Menschen in Not“ fördert Familienzentrum Au: So kommt Bildung direkt in die Familien

Pforzheim. „Menschen in Not“ fördert das Projekt „Sprache ist der Schlüssel“ im Pforzheimer Familienzentrum Au mit 15.000 Euro.

Es ist Mittagszeit. Die Türklinke im Familienzentrum Au ist im Dauerbetrieb. Die Schulkinder kommen. Sie haben Hunger. Für sie steht Mittagessen parat. Wie immer: vom „Parkhotel“ als Spende. Die anderen, die kleineren Kinder, verlassen mit ihren Mamas das Familienzentrum. Die einen sind mit ihren Lerneinheiten fertig, die anderen kurz vor dem Start.

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Doris Winter, Leiterin des Familienzentrums Au, freut sich über die Schulkinder, die zur Betreuung kommen. Foto: Moritz

Doris Winter leitet das Familienzentrum Au. Sie kennt die Familien, die an die Calwer Straße kommen. Und sie kennt vor allem auch deren Sorgen. „Viele dieser Menschen brauchen Hilfe“, sagt sie. „Auch, oder sogar vor allem bei der Sprache.“ Das sei die größte Herausforderung für die Menschen mit Migrationshintergrund. „Die Mütter wollen die Kinder auf ihrem Bildungsweg unterstützen, an Elternabenden teilnehmen und bei Hausaufgaben helfen, das geht nicht ohne die Deutsche Sprache“ so Winter weiter. „Und deshalb kommen sie gerne zum Lernen hierher.“

Kurse sind gefragt

Das Angebot an Integrationskursen in Pforzheim sei groß. Das würden die Neu-Pforzheimer gut annehmen. Allerdings gebe es eine große Hürde: „Viele Frauen sind Analphabetinnen. Sie haben einen aufwendigen und mühsamen Weg zur deutschen Sprache. Sie brauchen deshalb niederschwellige Angebote“, weiß die Leiterin. Im Familienzentrum Au gibt es deshalb zwei solcher Sprachkurse, die von Grund auf starten. Insgesamt 28 Teilnehmerinnen machen mit. Allerdings ist die Warteliste lang: 15 weitere Frauen hoffen auf einen Platz. „Sie kommen zweimal in der Woche am Vormittag und bringen ihren Nachwuchs mit, wenn die Mädchen und Jungen keinen Platz in einer Kindertagsstätte haben.“ Und dies sei immer häufiger der Fall. „Es kommen immer mehr Kinder in die kursbegleitende Betreuung.“ Es gebe zu wenige Plätze. Das würden die Mitarbeiter deutlich spüren.

Die Leiterin sieht ihren Auftrag ganz klar: „Wir müssen Bildung in die Familien tragen.“ Die Kinder würden später davon profitieren. „Ideal ist es, wenn die Familie zum Lernort wird.“ Wichtig sei immer, dass die Menschen ihre Muttersprache gut beherrschen. „Die Sprache des Herzens muss gefestigt sein, dann klappt es mit dem Deutschlernen viel besser.“

Seit acht Jahren ist die Familie von Intsar W. (Name geändert) in Pforzheim. Die Mutter von fünf Kindern und ihr Mann sind damals aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet. In Pforzheim haben sie eine neue Heimat gefunden. Felek Aydin, in der Türkei geboren und im Kindergartenalter nach Pforzheim gekommen, nimmt sich Frauen wie Intsar an. Die 36-jährige Kursleiterin spricht deutsch, türkisch und kurdisch. Sie betreut Intsar also auch bei den Deutsch-Aufgaben. Die Frau hat als Kind im Irak nur fünf Jahre lang die Schule besucht. Danach war für sie als Mädchen mit der Bildung Schluss. Und nun ist sie mehr als dankbar, dass im Familienzentrum Au diese, für sie so wichtigen Kurse stattfinden. „Sie macht das für ihre Kinder“, erklärt Doris Winter. „Damit die Chancengleichheit auf dem Bildungsweg gewährleistet ist und die Neu-Pforzheimer hier ein gutes Leben haben werden. So gelingt Integration.“

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Kursleiterin Felek Aydin (Mitte) unterstützt Inas und Intsar (rechts) beim Lernen in jeglicher Form. Foto: Moritz

Das Projekt im Familienzentrum Au

Angebot für Kinder im Kindergartenalter ohne Kitaplatz: Eine Fachkraft für Sprachförderung im Kindergartenalter wird zweimal wöchentlich eine der Betreuungsgruppen besuchen und dort die Kinder beim Spracherwerb fördern.

Angebot für Eltern: Im Rahmen des Elternbildungskurses wird eine Fachkraft Methoden der kindlichen Sprachförderung vermitteln. Ziel ist, dass alle Familienmitglieder, von den Inhalten profitieren.

Angebot für Grundschulkinder: Viele haben einen intensiven Förderbedarf im Bereich Sprache. Eine Fachkraft bietet für die Kinder „Deutsch für den Schulstart“ an. Das Konzept wurde von der Universität Heidelberg entwickelt und umfasst Schrifterwerb, Textbeschreibung, Lesen, Zuhören und Erzählen.

Das sind die großen Projekte, die „Menschen in Not“ fördert:

Pflegebäder für die Werkstatt Lomersheim der Lebenshilfe

Als die Werkstatt 1996 gebaut wurde, dachte man noch nicht an Barrierefreiheit. Inzwischen sind aber 15 Prozent der dort tätigen Mitarbeiter eingeschränkt mobil. Derzeit wird in einem kleinen Bad, das provisorisch umgebaut wurde, für Hygiene gesorgt. ,,Menschen in Not“ hilft, die Umbaukosten in Höhe von 55000 Euro zu finanzieren. Schon bald werden zwei Sozialräume in sogenannte Pflegebäder umgebaut. Dort wird es bodenebene Dusche, barrierefreies WC, Pflegeliege sowie jeweils einen Deckenlifter geben.

Sprachkurs im Familienzentrum Au

„Sprache ist der Schlüssel“, so heißt die Sprachförderung für Kinder unter Einbeziehung von Eltern und Betreuungspersonen, die im Familienzentrum Au bald stattfinden soll. Derzeit treffen sich dort täglich rund hundert Kinder im Alter von zehn Monaten bis zu sechs Jahren, die die Kinderbetreuung besuchen. Nachmittags kommen rund 25 Grundschulkinder zur Hilfe bei den Hausaufgaben. Alle Kinder haben Migrationshintergrund. Im Familienzentrum soll deshalb mit gezielter Sprachförderung Eltern und Kindern geholfen werden. Schließlich hatten in Pforzheim im vergangenen Jahr 60 Prozent der neu eingeschulten Kinder einen Förderbedarf im Bereich Sprachentwicklung. Die Kosten für die Sprachförderung betragen rund 15.000 Euro.

Neue Medien für die Interdisziplinäre Frühförderstelle des Caritasverband Pforzheim

Der Umgang mit modernen Medien soll auch für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder selbstverständlich werden. Das Projekt „Barrierefrei mit Medien“ wird deshalb moderne Therapiemittel in den Mittelpunkt rücken. Auf diese Weise wird eine Unterstützung zur Erhaltung oder auch erst zum Aufbau der Selbstständigkeit geboten. Der Computer mit entsprechender oder auch ganz individuell angepasster Software leistet somit einen Beitrag zur Inklusion. Die neuen Medien bringen aber auch Spaß beim Lernen, denn sie bieten viele neue Möglichkeiten, Abwechslung und oft auch ganz neue Motivation. Eingesetzt werden Spielsoftware, Kommunikationssoftware, Software zur Bewegungsmotivation und Moderne Therapiemittel zur Bewegungsförderung. Rund 10 000 Euro wird die Ausstattung kosten.

Frühstück in zwei Kindertagesstätten

In den Kindergärten Oranierstraße in der Oststadt und im Lukas Zentrum in der Weststadt ist mehr als jedes dritte Kind von Armut betroffen. So ist es die Regel, dass die Kinder oft nicht genug zum gemeinsamen Frühstück in den Kindergarten mitbringen können. Sie haben Hunger. Nun möchten die Leitungsteams Abhilfe schaffen. Das gelingt, indem künftig Büfetts angeboten werden. „Menschen in Not“ wird das Bestücken der willkommenen Abwechslung für ein Jahr finanziell tragen. Denn hungrig spielen, das macht keinen Spaß.