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Es braucht nicht viel, um in eine neue Wirklichkeit einzutauchen: Spielpädagoge Marcus Dürr (links) und GSI-Geschäftsführer Gerd Schulz schlüpfen in die Rollen von Seppel (links) und Kasper. Foto: Walter
Es braucht nicht viel, um in eine neue Wirklichkeit einzutauchen: Spielpädagoge Marcus Dürr (links) und GSI-Geschäftsführer Gerd Schulz schlüpfen in die Rollen von Seppel (links) und Kasper. Foto: Walter
18.11.2016

„Menschen in Not“-Projekt: „Kinder sollen Grenzen überwinden und Vertrauen entwickeln“

Mit rund 410.000 Euro hat die Hilfsaktion „Menschen in Not“ (MiN) im vergangenen Jahr 1106 mal geholfen – dank der Spenden Tausender PZ-Leser. Neben der Unterstützung vieler Einzelpersonen gibt es auch größere Projekte. Fünf davon stellt die PZ in der Vorweihnachtszeit vor. Zum Auftakt verrät die GSI, was hinter dem Projekt „Kinder gestalten Spiel-(T)Räume“ steckt.

Pforzheimer Zeitung: Sie planen ein Puppen- und Theaterprojekt. Provokant gefragt: Wäre es nicht wichtiger, Hausaufgabenbetreuung und Deutschkurse anzubieten, ehe die Kinder ans Spielen denken?

Marcus Dürr (Spielpädagoge bei der GSI - Gemeinnützige Service- und Integrationsgesellschaft Enzkreis): Darin liegt ja der Zauber: Die Kinder sollen aus gewohnten Mustern, aus Soll-Erfüllungen ausbrechen – und in freie Denkräume kommen, in denen sie auch mal improvisieren können.

Gerd Schulz (Geschäftsführer bei der GSI): Wichtig ist, dass wir uns von der Pisa-Studie entfernen. Es wird so viel vereinheitlicht und verglichen: Die Chinesen sind besser als wir, lernen schneller – und was weiß ich. Das ist verkehrt. Wir brauchen kreative Menschen, die Ideen haben, um die Zukunft zu gestalten. Und diese kriegen wir nicht über stures Lernen, sondern über die Freiheit. Nur so werden die Kinder befähigt, sich selbst zu helfen. Sie sollen spielend lernen: ihren Spielkameraden Aufmerksamkeit schenken, aufeinander zugehen, sich verstehen, eine Rolle spielen, Geheimnisse bewahren, sich aufeinander einzustellen...

Und wie funktioniert das bei dem Projekt „Kinder gestalten Spiel(T)Räume“ konkret?

Schulz: Die Teilnehmer zwischen sechs und zwölf Jahren können handgeführte oder auch lebensgroße Figuren bauen, können kleine Theaterstücke aufführen, können Gruppenspiele veranstalten.

Dürr: Wir wollen Begegnungen ermöglichen. Es geht um die gegenseitige, aber auch um die Selbst-Wahrnehmung. Darum, in der Gruppe zu erleben, dass wir Grenzen überwinden und Vertrauen entwickeln können – das ist gerade für Kinder wichtig, die ein schwieriges soziales Umfeld haben.

Was für Kinder sollen mitmachen?

Schulz: Wir wollen über das Soziale Netzwerke Mühlacker Kinder erreichen, für die das Projekt geschaffen ist: Kindern von Alleinerziehenden, sozial Schwache...

Die kommen wahrscheinlich eher aus Mühlacker, wo die Kinderarmutsquote höher ist als im Rest des Enzkreises, oder?

Schulz: Kinderarmut ist ja in ganz Deutschland ein riesiges Problem (19 Prozent der Kinder sind in Deutschland armutsgefährdet, Anm. d. Red.). Aber ja, wir konzentrieren uns auf Mühlacker. Im Enzkreis gibt es viele wohlhabende Gemeinden, die oft auch mehr tun können. Aber Mühlacker hat von der Bevölkerungszusammensetzung eine höhere Problemlage, die eher mit der in Pforzheim zu vergleichen ist. Auch der Ausländeranteil ist recht hoch. Das Projekt wird da auf fruchtbaren Boden fallen und den Kindern ihr weiteres Leben erleichtern.

Das ausführliche Interview lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

SPENDENKONTO VON „MENSCHEN IN NOT“:

IBAN: DE72 6665 0085 0000 8888 77

BIC: PZHS DE66 XXX