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© Symbolbild: dpa
18.07.2016

Messerstecher muss über drei Jahre hinter Gitter

Pforzheim. Drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe und die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus: So lautete am Montag das Urteil der großen auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe unter Vorsitz von Richter Ingo Mertgen für den Angeklagten Tobias B. (Name geändert). Beleidigung, Bedrohung, vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung, die er bei drei Vorfällen begangen haben soll, waren ihm von Staatsanwältin Adelheid Meierhöfer in der Anklageschrift vorgeworfen worden.

Der 27-jährige hatte die Taten zumindest in Teilen eingeräumt und gestanden, dass er am 24. März vergangenen Jahres einen Nachbarn seiner Exfreundin beschimpft, bespuckt und ihm gedroht habe. Am selben Abend hatte er seine damalige Partnerin, eine 48-jährige Hausfrau, in alkoholisiertem Zustand mit flachen Händen auf beide Wangen geschlagen, nachdem er ihre Tür eingetreten hatte. Im November dann der Angriff auf einen Nachbarn mit einem Besteckmesser, dass er diesem in den Rücken gestochen hatte.

Zwar seien, so Mertgen, manche Versionen der Zeugen und des Angeklagten nicht übereinstimmend und nicht abschließend klärbar gewesen. Im Wesentlichen aber sehe das Gericht die Taten als erwiesen an und folgte daher der Forderung der Staatsanwaltschaft, was das Strafmaß von drei Jahren und sechs Monaten angeht.

Der Sachverständige Michael Schulte hatte in seinem ausführlichen Bericht dargelegt, dass B. nicht nur an Alkoholsucht, sondern auch an ADHS und einer Persönlichkeitsstörung leide. Neben einer Strafe, das betonte in seiner Urteilsbegründung auch Mertgen, sei Hilfe notwendig, weshalb er den 27-Jährigen, dessen Steuerungsfähigkeit unter Alkoholeinfluss als eingeschränkt gilt, in eine psychiatrische Klinik einwies. Damit folgte er der Empfehlung von Schulte, der keine günstige Prognose für den Angeklagten abgeben konnte und von einer hohen Rückfallwahrscheinlichkeit ausgeht.

Es zeichne sich bei B., der früh dem Alkohol verfallen sei, zwölf Vorstrafen verzeichnet und diverse Therapien, Entzüge und Gefängnisaufenthalte hinter sich hat, ein schweres Bild ab, so Mertgen. Man könne aber auch deutlich sehen, dass sich B. selbst schwer tue mit seinen Problemen. Im Vorfeld der Verhandlung und währenddessen hatte sich B. beim Opfer seiner Messerattacke schriftlich und mündlich entschuldigt. Nach Beendigung seiner Haftstrafe hoffe er nun auf die Hilfe einer Großcousine und seiner Großmutter, um ein geregelteres Leben ohne Alkohol und Straftaten zu führen.