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Fahrscheinkontrolle ist das wichtigste Mittel der Verkehrsbetriebe gegen Schwarzfahrer. Für die Unternehmen geht es um Millionenschäden. 
Fahrscheinkontrolle ist das wichtigste Mittel der Verkehrsbetriebe gegen Schwarzfahrer. Für die Unternehmen geht es um Millionenschäden.  © dpa
21.07.2014

Millionenschaden für Verkehrsbetriebe durch Schwarzfahren

Pforzheim. Fahren ohne Ticket kostet die Verkehrsverbünde in Baden-Württemberg jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag. In Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Freiburg summiert sich der Schaden auf rund 39 Millionen Euro, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. In Pforzheim kann Claudia Wiest, Geschäftsführerin der Stadtverkehr Pforzheim (SVP), die Schadenshöhe nicht exakt beziffern, aber bei – hochgerechnet - über 400.000 Beanstandungen pro Jahr kommt schnell ein hoher sechsstelliger Betrag zustande.

«Durch Schwarzfahren gehen uns im Jahr rund 17 Millionen Euro verloren», heißt es beim Verkehrsverbund Stuttgart (VVS). In Karlsruhe und Mannheim beziffern die Verbünde den Schaden auf je rund zehn Millionen, in Freiburg auf zwei Millionen Euro. Diese «erheblichen wirtschaftlichen Schäden» führten auch zu höheren Fahrpreisen, erklärte eine VVS-Sprecherin. In Stuttgart sind deshalb täglich mehr als 200 Prüfer im Einsatz.

In Pforzheim, so Claudia Wiest, würden sechs Kontrolleure mit sehr flexiblen Arbeitszeiten und mehrere Teilzeitkräfte jährlich rund 200.000 Fahrgäste in den SVP-Bussen überprüfen. Erst im vergangenen Jahr ist die Zahl der Kontrolleure verdoppelt worden. 2013 hatten sie eine Beanstandungsquote von 1,88 Prozent – bei 10.000 gefahrenen Kilometern und 60.000 Fahrgästen pro Tag. Hochgerechnet müssten von den fast 22 Milionen SVP-Fahrgästen pro Jahr dann über 400.000 entweder ihre Monatskarte vergessen, die Marke falsch eingeklebt oder gar kein Ticket gekauft haben.

Ein SVP-Tagesticket kostet 5 Euro.Wer ohne Ticket erwischt wird, zahlt in Pforzheim 40 Euro. Wer dreimal so tief für eine Busfahrt in die Tasche greifen musste, wird, so Claudia Wiest, angezeigt. Juristisch gilt Schwarzfahren als Erschleichung von Leistungen. Nach Angaben des baden-württembergischen Justizministeriums waren im vergangenen Jahr deshalb 119 Straftäter inhaftiert. «Erfahrungsgemäß dürfte es sich dabei überwiegend um Schwarzfahrer handeln», erklärte eine Ministeriumssprecherin. Die Strafverfolgungsstatistik des Landes listet für 2012 mehr als 10.000 Verurteilungen wegen Erschleichens von Leistungen auf. In 415 Fällen verhängten die Richter eine Gefängnisstrafe, setzten sie aber 319 mal zur Bewährung aus.

Grund für die Verurteilungen könnte auch die zunehmende Aggressivität sein, von der die Verkehrsverbünde berichten. «Das kommt immer wieder vor - mit steigender Tendenz», sagte eine VVS-Sprecherin. Meist handelt es sich um verbale Attacken, Handgreiflichkeiten seien seltener. Der Mannheimer Verkehrsverbund Rhein-Neckar kontrolliert auf bestimmten Stecken deshalb nur noch mit Polizeibegleitung.

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