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Über Minijobs tauschen sich bei einer Diskussionsrunde aus: Susanne Nittel, Regionssekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, Frederic Striegler, SPD-Kreisvorsitzender, Stefanie Seemann, Landtagsabgeordnete der Grünen, Liane Papaioannou, Geschäftsführerin der IG-Metall, Sibylle Schüssler, Bürgermeisterin der Stadt Pforzheim und Christina Metke, Moderatorin von public sense (von links). Foto: Morelli
Über Minijobs tauschen sich bei einer Diskussionsrunde aus: Susanne Nittel, Regionssekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, Frederic Striegler, SPD-Kreisvorsitzender, Stefanie Seemann, Landtagsabgeordnete der Grünen, Liane Papaioannou, Geschäftsführerin der IG-Metall, Sibylle Schüssler, Bürgermeisterin der Stadt Pforzheim und Christina Metke, Moderatorin von public sense (von links). Foto: Morelli
15.04.2018

Minijob als Hauptverdienst: 17000 Betroffene in Pforzheim

Pforzheim. Durch eine Aktionswoche in der Schlössle Galerie wollen mehrere Beratungsstellen und Gleichstellungsbeauftragte das Thema Minijob in den Fokus rücken. In den nächsten Tagen bieten sie Führungen durch ihre Ausstellung sowie Beratung vor Ort an. Am Samstagnachmittag fand die Eröffnung inmitten geschäftiger Einkäufe in Form einer Diskussionsrunde statt.

Minijobs sind eine gute Möglichkeit des Zuverdiensts für Schüler, Studenten und Rentner, die in ihren Status keine Sozialversicherung benötigen. Darin sind sich die Teilnehmer der Expertenrunde einig. Zum Problem wird das Modell allerdings, wenn der Minijob den Hauptverdienst für Menschen zwischen 25 und 55 Jahren darstellt, erklärt die Moderatorin Christina Metke. In Pforzheim seien davon 17 000 von insgesamt 30 000 Minijobber betroffen. Der Anteil an Frauen liege bei 12 000.

Für viele von ihnen wirke die Form der Anstellung attraktiv, weil sie wenige Abgaben zahlen müssten, berichtet die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim Martina Lehmann. In Beratungsgesprächen versuchen ihre Mitarbeiter, die Betroffenen von einem Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitstelle zu überzeugen, stoßen dabei jedoch oft auf vielschichtige Einwände.

Die Vorteile der Absicherung zeigen sich zumeist nur mittel- oder langfristig. Im ersten Moment stünden hingegen falsche steuerliche Anreize wie die hohen Abgaben für den geringer Verdienenden beim Ehegattensplitting im Weg, erklärt der SPD-Kreisvorsitzende Frederic Striegler.

Auch die mangelnde Zeit für die Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen bei einer Arbeitsstundenerhöhung stellt ein Problem dar.

Stefanie Seemann nennt es den „Klebeeffekt“, der sie selbst 15 Jahre lang an einen Minijob band, weshalb ihre Rente einmal sehr gering ausfallen wird. Heute möchte die Landtagsabgeordnete der Grünen dem mangelnden Betreuungsangebot für bis Sechsjährige mit Ausbau und Qualitätssicherung begegnen, während Striegler das Ziel der Beitragsfreiheit betont.

Liane Papaioannou, Geschäftsführerin der IG-Metall, sieht für die Gewerkschaften eine Chance, sich beispielsweise für flexible Arbeitszeiten einzusetzen.

Vorteil für Arbeitgeber

Für die Arbeitgeber kann sich die Umstellung von Minijob auf Teilzeitstelle abgabentechnisch sogar lohnen. Während des Gesprächs wird jedoch klar, dass konkrete Lösungsansätze in verschiedenen Bereichen gefragt sind, um Geringverdiener vor Altersarmut zu schützen und ihnen eine finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen.