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© Symbolbild: dpa
25.08.2011

Missbrauchs-Urteil: 850 Fälle nur Mindestzahl

PFORZHEIM. Der Fall des sexuellen Missbrauchs in riesigem Ausmaß erinnert an ein Verfahren, das die Pforzheimer Justiz Mitte/Ende der 90er-Jahre beschäftigte. Staatsanwaltschaft und Große Strafkammer beharkten sich, ob das Gericht ein Verfahren eröffnen sollte, bei dem es um angeblich knapp 1000-fachen Missbrauch einer jungen Frau durch ihren Adoptiv-Vater ging.

Zwei Gutachter kamen zu dem Schluss, dass die Frau nicht glaubwürdig sei. Zu Recht. Sie bezichtigte sich später selbst der falschen Beschuldigung. Sie habe ihrer Mutter helfen wollen, die sich im Scheidungskrieg mit ihrem Noch-Mann befand. Die junge Frau wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Unternehmer hatte unschuldig 15 Monate in Untersuchungshaft gesessen. Er dauerte lange, bis er wieder Boden unter den Füßen hatte.

Anders im jüngsten Fall – hier glaubte man dem Opfer und rechnete die Taten ihres Stiefvaters hoch. Das, was abgeurteilt wurde, war nur die Mindestzahl. Die Zahl der Straftaten, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Christoph Reichert, liege in Fällen dieser Größenordnung wahrscheinlich noch sehr viel höher. Ol