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Unter dem Codenamen „Schokolade“ verkaufte ein Dealer Marihuana. Foto: dpa
Unter dem Codenamen „Schokolade“ verkaufte ein Dealer Marihuana. Foto: dpa
28.10.2016

Mit „Schokolade“ gegen Schulden: Prozess gegen Drogendealer

Pforzheim. Diese Antwort brachte den ganzen Saal zum Schmunzeln. Der zuständige Staatsanwalt hatte den Angeklagten Lukas R. (alle Namen geändert) gefragt, was er denn mit „Schokolade“ meinte. Dieses Wort tauchte häufiger in den Chats und Telefonaten des 23-Jährigen auf. Die Antwort des gelernten Maurers lautete: Marihuana.

Er und drei weitere mutmaßliche Mittäter, Yusuf G., Thomas W. und Stefan F., müssen sich seit gestern vor dem Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Miriam Streicher verantworten. Unter anderem wird ihnen ein mehrfacher Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen.

Verwirrende Aussagen

Lukas R. soll unter anderem vier Kilogramm Marihuana am Bahnhof in Karlsruhe gekauft und an drei Abnehmer weiterverkauft haben. Das sei nicht ganz richtig, so der 23-Jährige. Jedoch machte er im Laufe der Vernehmung verwirrende und ungenaue Angaben. Sowohl die Richterin als auch der Staatsanwalt mussten mehrfach nachhaken. Es stach jedoch heraus, dass er in anderen Fällen bereits die „Schokolade“ vertickte, um damit seine Schulden zu begleichen. Darüber hinaus soll er im Besitz von mehr als 1500 Ecstasy-Tabletten gewesen sein, was der Angeklagte einräumte. Verkauft worden sei jedoch noch nichts, betonte Lukas R. Der geladene Zeuge Sergej S., der Lukas R. zum Bahnhof gefahren haben soll, verweigerte aufgrund der Gefahr der Selbstbelastung die Aussage, da er wegen ähnlicher Delikte derzeit ebenfalls vor Gericht steht.

Yusuf G. ließ durch seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen, in der er unter anderem den Deal von 500 Gramm Marihuana einräumte sowie den Kauf von 35 Gramm zum Eigenbedarf, wie er sagt. Zu den meisten Nachfragen von Richterin und Staatsanwalt verweigerte er jedoch die Aussage.

Besitz von Dopingmitteln

Thomas W. gestand, unter anderem vier Ampullen mit je 180 Milligramm des Dopingmittels Testosteron Enantat zum Eigenbedarf besessen zu haben, was einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz darstelle, wie Richterin Streicher erläuterte. Über die Rolle von Stefan F. ist noch nicht allzu viel bekannt. Unter anderem ließ er Lukas R. mehrere Wochen in seiner Wohnung schlafen.

Der Prozess wird am 3. November fortgesetzt.