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Irgendwo zwischen Stadtkirche und „Parkhotel“ kam es zu den Stichen mit der abgebrochenen Bierflasche. Foto: Walter
31.01.2019

Mit abgebrochener Bierflasche attackiert: Widersprüche bei Prozess zu versuchtem Totschlag

Pforzheim/Karlsruhe. Am 8. Juli vergangenen Jahres sorgte eine Attacke mit einer abgebrochenen Bierflasche im Bereich zwischen Stadtkirche und Deimlingstraße für Furore. Seit Donnerstagvormittag muss sich nun ein 24-Jähriger vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Karlsruhe für die Tat verantworten.

Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag in Einheit mit gefährlicher Körperverletzung. Zwar ist der Angeklagte vor Gericht geständig - dennoch bleiben viele Fragen zum Prozessauftakt offen.

Die Vorwürfe gegen den 24-jährigen Kurden aus dem Irak, der sich seit Donnerstag vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Karlsruhe verantworten muss, lesen sich in der Anklageschrift eindeutig: In den frühen Morgenstunden des 8. Juli vergangenen Jahres soll Ahmed M. (Name von der Redaktion geändert) mit einem heute 25-jährigen Landsmann in Streit geraten sein, als dieser abfällig über die Freundin des Angeklagten gesprochen haben soll. Nach einem verbalen Schlagabtausch soll es – trotz Schlichtungsversuchen eines Freundes, der ebenfalls bei dem Trinkgelage im Bereich der Stadtkirche dabei war – zwischen den beiden Männern zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen sein, in deren Verlauf der Angeklagte seinen Kontrahenten mit einem abgebrochenen Flaschenhals schwer am Hals verletzt haben soll. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Von wem der Streit ausging, wer zuerst zuschlug und wo und wie oft der Angeklagte genau mit der Flasche auf den 25-Jährigen einstach – all das sind Fragen, auf die es beim Prozessauftakt bei der auf drei Tage angelegten Verhandlung gleich mehrere Antworten gibt. So sagten sowohl der Geschädigte als auch der Freund, der versucht hatte, zu schlichten, bei der Polizei kurz nach der Tat noch übereinstimmend aus, dass der Angeklagte die Flasche bereits beim Streit im Park neben der Stadtkirche an einem Baum zerbrochen haben soll. Später soll er dann, mitten auf der Deimlingstraße, auf den 25-Jährigen eingestochen haben.

Bildergalerie: Nächtlicher Polizeieinsatz: 23-Jähriger verletzt Landsmann schwer

Bei Gericht wollen sich jedoch weder das Opfer noch der Dritte im Bunde an diese Aussagen erinnern. Mehr noch: Wie Ahmed M. die Flasche am Baum zerschlagen hat, will an diesem Mittag keiner mehr gesehen haben. Selbst als der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt auf die Konsequenzen einer Falschaussage hinweist, bleiben die beiden Männer bei ihren widersprüchlichen Angaben.

Der Angeklagte selbst räumt die Tat vor Gericht ein. Jedoch habe er sich nur zur Wehr gesetzt, den Flaschenhals, den er auf dem Boden gefunden habe, aus Angst vor weiteren Schlägen des 25-Jährigen bei sich behalten. Als dieser ihn von der Stadtkirche in Richtung Deimlingstraße verfolgte, habe er – beim Versuch, einen weiteren Schlag abzuwehren – mit der Flasche dessen Schulter getroffen. An mehrere Stiche will er sich nicht erinnern, verweist auf die „halbe Flasche Whisky“, die er zur Tatzeit intus gehabt hätte.

Fortsetzung am Donnerstag, 7. Februar, um 9 Uhr.

Mehr über den Prozessauftakt lesen Sie am Freitag, 1. Februar, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.