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Fröhlich ging es zu beim Start der neuen Inklusionskampagne: Maren Bieberich (miteinanderleben), Ulrich Hahn, Sandy Kling, Hans Augenstein (Behindertenbeauftragter), Carola Pigisch (Bündnis für Familie, hinten von links) sowie Jan Widmaier und Kevin Holstein (vorne, von links). Foto: Seibel
Fröhlich ging es zu beim Start der neuen Inklusionskampagne: Maren Bieberich (miteinanderleben), Ulrich Hahn, Sandy Kling, Hans Augenstein (Behindertenbeauftragter), Carola Pigisch (Bündnis für Familie, hinten von links) sowie Jan Widmaier und Kevin Holstein (vorne, von links). Foto: Seibel
14.07.2016

Mittendrin statt außen vor: Inklusionskampagne unterstützt Menschen mit Behinderung

Pforzheim. An seinem ersten Arbeitstag im „Pflanzenparadies Voigt“ in Straubenhardt, fiel Ulrich Hahn rückwärts in eine Kiste. Während Inhaberin Birgit Voigt besorgt war, fing der junge Mann an zu lachen. Das Eis war gebrochen. Inzwischen ist er fest angestellt – die Unternehmerin ermutigt andere, Menschen mit Behinderung einzustellen: „Sie bringen so viel Freude in die Firma.“

Diese Erfolgsgeschichte zeigt einer der Filme, die im Rahmen der Inklusionskampagne „mittendrin – Einstieg in die Arbeitswelt“ entstanden sind. Diese hat das Pforzheimer Bündnis für Familie am Dienstagabend mit einer Premierenfeier im Alten E-Werk in Eutingen gestartet. Filmmaterial und Broschüren wurden aus Mitteln der Modellprojektförderung „Impulse Inklusion 2014“ produziert.

Fröhliche Bewerber

Sichtbar wird in den kurzen Sequenzen vor allem eines: die Motivation der Arbeitssuchenden. „Ich kann mehr, als in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten“, so Luana Coletti. André Maissenbacher bezeichnet sich als „harten Verhandlungspartner“. Und Benjamin Fuchs mag es nicht, „wenn Menschen traurig sind“. Er möchte Cartoonist werden. Auch Sandy Kling bringt andere gerne zum Lachen. Die Filme sollen Unternehmer ansprechen. „Sie sind eine neuartige Form der Bewerbung“, sagt Hans Augenstein, Behindertenbeauftragter beim städtischen Jugend- und Sozialamt. Zudem erleichtern sie die Arbeit von Jobcoachs – Mittlern zwischen Arbeitgebern und Menschen mit Behinderung.

Ein solcher Jobcoach ist Anja Kutzki von der Lebenshilfe. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sich viele Vorurteile hartnäckig halten. So auch der Irrglaube, dass Menschen mit Behinderung öfter krank seien. Mit Praktika wirke man dem entgegen: „Sie ermöglichen eine Annäherung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer“, so Kutzki. „Während die Inklusion in der Schule gut funktioniert, gibt es einen Bruch beim Übergang in die Berufswelt“, bedauert Inklusionsbeauftragte Birgit Kühner-Hornyai. Dabei werden die Betriebe nicht allein gelassen: Norbert Meiß vom Integrationsfachdienst berät im Einzelfall bei Fragen zu Fördermöglichkeiten und technischen Hilfen.

Einer, der inzwischen gleich mehrere Stellen in Aussicht hat, ist Kevin Holstein. Der 24-jährige Rollstuhlfahrer wurde nach einem Artikel in der „Pforzheimer Zeitung“ von mehreren Firmen kontaktiert. Zuvor hatte der Bürokaufmann allein in diesem Jahr rund 70 Bewerbungen verschickt. „Erst, wenn Bewerbungsmappen nicht mehr mit Schrecken zur Seite gelegt werden, haben wir es geschafft“, sagt Sozialbürgermeisterin Monika Müller im Anschluss an die Podiumsdiskussion, moderiert von Carola Pigisch vom Bündnis für Familie und Maren Bieberich von „miteinander leben“. „Ich hoffe, die Filme zeigen über diesen Abend hinaus Wirkung“, so Müller. Angedacht sei, die Spots einem größeren Publikum zu zeigen – eventuell im Kommunalen Kino.