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Laura Schmidt geht nicht mehr gerne raus – sie hat Angst. Die deutschen Medien wollten nicht die „ganze Wahrheit“ über die Flüchtlinge berichten. Fotos: Seibel
Laura Schmidt geht nicht mehr gerne raus – sie hat Angst. Die deutschen Medien wollten nicht die „ganze Wahrheit“ über die Flüchtlinge berichten. Fotos: Seibel
Janina Flack hat eher Angst vor radikalen Flüchtlingsgegnern.
Janina Flack hat eher Angst vor radikalen Flüchtlingsgegnern.
26.01.2016

Momentaufnahme im Haidach: Zwischen Angst und Gelassenheit

Pforzheim. Pillauer Straße – hier schlägt das Herz des „alten“ Haidach, auch wenn sich am Eingang des Neubaugebiets Tiergarten ein neues Einkaufs- und Dienstleistungszentrum etabliert hat.

Pillauer Straße also, ein Carré über zwei Etagen, eine Apotheke, eine Postfiliale, aber auch zwei Lebensmittelgeschäfte, in denen vornehmlich Spätaussiedler, überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion, einkaufen. Rund 80 Prozent der 10 000 Einwohner im Stadtteil sind Spätaussiedler – wie Andreas Fabrizius, 2002 aus Kasachstan nach Pforzheim gekommen. Fabrizius, der Organisator der Pforzheimer Kundgebung vom Sonntag mit über 700 Teilnehmern. Grundtenor: die Angst um die Sicherheit – die durch Flüchtlinge gefährdet sei.

Der Haidach also – ein fruchtbarer Boden? „Man hört viel in den Nachrichten“, sagt Laura Schmidt, „Vergewaltigungen – ich habe Angst um meine Kinder.“ Seit neun Jahren wohnt sie auf dem Haidach, kommt wie Fabrizius aus Kasachstan, ist Mutter von zwei Jungs und einem Mädchen, das vierte Kind ist unterwegs. „Früher bin ich öfter raus, sogar in den Wald“, sagt sie, bevor sie mit Töchterchen Mila im Kinderwagen den „Mix“-Markt ansteuert. Junge Asylsuchende können es mangels Nähe wohl auch nicht sein, wenn Janina Flack – die Oberschlesierin kam im Jahr 1982 auf den Haidach – an die Verursacher des Mülls denkt, der sich bisweilen rund ums Bürgerhaus türmt. Mit seinem hohen Anteil von Jugendlichen und dem extrem hohen Migrationshintergrund war der Haidach seit seiner Gründung Mitte der 1970er-Jahre als neue Heimat für Russlanddeutsche besonders in den ersten beiden Jahrzehnten ein sozialer Brennpunkt. Heute ist es statistisch der sicherste Stadtteil. Geblieben sind zum Teil lärmende Jugend-Cliquen und leere Wodkaflaschen an ihren Treffpunkten.

Auf die Flüchtlinge angesprochen, sagt Janina Flack: „Ich würde mich gerne ehrenamtlich engagieren – aber ich habe Angst, der Schuss geht nach hinten los.“ Nicht vor den Flüchtlingen habe sie Angst – „sondern vor den Radikalen“. Mehr lesen Sie am Mittwoch in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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