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Auf dem Weg ins Dezernat III  des Pforzheimer Rathauses:  Monika Müller und die SPD haben Überraschungen zu bieten.
Auf dem Weg ins Dezernat III des Pforzheimer Rathauses: Monika Müller und die SPD haben Überraschungen zu bieten. © Bechtle
30.11.2010

Monika Müller hat Job und Familie im Griff

PFORZHEIM. Über Kinderbetreuung, ihr Familienleben, ihre OB-Kandidatur in Nagold und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat PZ-Redakteurin Dorothee Messmer mit Monika Müller, der SPD-Kandidatin für das Pforzheimer Sozialdezernat, gesprochen.

Pforzheimer Zeitung: Nervt Sie es eigentlich, dass Sie als Frau bei Bewerbungen von Spitzenämtern immer auf die Betreuung Ihrer drei kleinen Kindern angesprochen werden?
Monika Müller:  Nein, es nervt mich keineswegs, wenn ich auf meine Kinder angesprochen werde, denn wie alle jungen Mütter rede ich gerne über meinen Nachwuchs und bin stolz auf meine drei Kinder. Bedauerlich finde ich nur, dass Frauen sich stets – übrigens unabhängig davon, ob sie sich im politischen Bereich oder in der freien Wirtschaft um eine Stelle bewerben – erklären müssen, sobald sie nicht nur Arbeitnehmerin, sondern auch Mutter sind. Während Kinder bei männlichen Bewerbern meist einfach nur positiv als Beleg für soziale Kompetenz und Verantwortungsübernahme gewertet werden, müssen Frauen zumindest damit rechnen, dass ihre berufliche Einsatzbereitschaft in Frage gestellt wird.

PZ: Auch wir müssen nochmalsnerven. Wie machen Sie es denn mit der Kinderbetreuung, wenn Sie in Pforzheim das Amt der Sozialbürgermeisterin antreten?
Müller:  Wie gesagt, Sie nerven nicht, aber ich würde mich freuen, wenn meine Kandidatur in fachlicher Hinsicht im Vordergrund stünde und nicht so sehr meine familiäre Situation. Und die Betreuung und Erziehung meiner Kinder werde ich auch in Zukunft gemeinsam mit meinem Ehemann so teilen und bei Bedarf auch durch fremde Hilfe organisieren, dass die Entwicklung und das Wohlergehen unserer Kinder sichergestellt ist. Ich gehe davon aus, dass
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich ist, wenn alle Beteiligten dies wollen. Betreuung in Kindergärten oder auch durch Oma und Opa oder eine Kinderfrau ist für mich eine Bereicherung – aber vor allem auch für unsere Kinder. Ich vertrete die Ansicht, dass es Eltern möglich sein muss, die Betreuung ihrer Kinder so zu regeln, wie sie es für richtig halten, sei es durch Betreuung nur zu Hause oder eben auch durch Betreuungsangebote außer Haus.

PZ: Sie haben bei Ihrer ersten Vorstellung in Pforzheim gesagt, Sie hätten
wenig Verbindung zu Pforzheim. Aber die SPD-Bundestagsabgeordnete
Nicolette Kressl, für die Sie lange gearbeitet haben, saß in den 80er-
Jahren im SPD-Kreisvorstand Pforzheim-Enzkreis. Gab es später bei
Ihrer Arbeit im Büro Kressl nicht doch den einen oder anderen Berührungspunkt mit Pforzheim?
Müller:  Ganz ehrlich kann ich mich nicht erinnern, dass meine frühere Arbeitgeberin Nicolette Kressl während ihrer Tätigkeit als Bundestagsabgordnete noch berufliche Bezüge zu Pforzheim hatte. Meine kurze, aber intensive „Pforzheim-Erfahrung“ habe ich in meiner Jugend gesammelt, als ich drei Tage in Pforzheim war, um den dortigen Kirchentag zu besuchen. Damals habe ich Pforzheim als lebendige und offene Stadt schätzen gelernt.

PZ: Warum haben Sie Ihre Kandidatur als Oberbürgermeisterin in
Nagold nicht erwähnt und auch nicht die Tätigkeit Ihres Mannes? Damit muss man doch nicht hinterm Berg halten, finden wir.
Müller:  Nein, damit muss ich nicht hinterm Berg halten und das habe ich auch nicht getan, denn sowohl die Tätigkeit meines Mannes als auch meine Kandidatur in Nagold haben mein Leben bereichert und mir wichtige Einblicke gegeben. Beides habe ich der Findungskommission der SPD- Ratsfraktion selbstverständlich auch schon bei meinem Bewerbungsgesprächen mitgeteilt. Ich fand aber, dass bei einem ersten kurzen Kennenlernen mit der Presse nicht meine Vergangenheit als Kandidatin oder mein Mann im Vordergrund stehen sollten, sondern die Zukunft der Stadt Pforzheim und ob und wie ich diese Zukunft mitgestalten kann. Denn darum bewerbe ich mich am 14. Dezember.

PZ: Wie sieht denn Ihr Terminkalender bis zum 14. Dezember aus?
Wie oft werden Sie in den kommenden Wochen in Pforzheim sein?
Müller: Mein Terminkalender ist mit beruflichen Terminen in Berlin, mit Nachmittagen und Wochenenden mit meinen Kindern und natürlich mit Reisen nach Pforzheim ausgefüllt – am Nikolaustag und am 13.und 14. Dezember werde ich in Pforzheim sein. Ich freue mich schon auf meine Gespräche mit den Ratsfraktionen und -gruppierungen, die ich teilweise schon vereinbart habe. Und natürlich hoffe ich, dass noch Zeit bleibt, um ein wenig über den Pforzheimer Weihnachtsmarkt zu bummeln.