nach oben
Immer wieder machen Meldungen über übergriffige Flüchtlinge die Runde. Viele davon erweisen sich als erfunden. Foto: Strobel
Immer wieder machen Meldungen über übergriffige Flüchtlinge die Runde. Viele davon erweisen sich als erfunden. Foto: Strobel
08.12.2015

Mordgerücht ist eine von vielen Falschmeldungen über Flüchtlinge

Grausig klingen die vermeintlichen Übergriffe, von denen ein Pforzheimer der PZ berichtet: Vor gut einem Monat habe es im Enzauenpark eine Vergewaltigung gegeben, ein Paar sei danach ermordet worden – und die Polizei verschweige all dies, weil die Täter Flüchtlinge seien. Ein Skandal? Nein. Sondern eine von zahlreichen Falschmeldungen, die derzeit in Deutschland im Zusammenhang mit Flüchtlingen die Runde machen.

„Da hat jemand einen Riesenspaß daran, Gerüchte zu streuen, die sich dann verselbstständigen“, sagt Polizeisprecher Dieter Werner dazu. Von den beschriebenen Vorfällen „ist uns nichts bekannt“, die Geschichte „ist ein Hoax“ (englisch für „Schwindel“). Auch die Helios-Klinik, wo ein Opfer angeblich verstorben ist, dementiert. In der Region, ergänzt Sven Brunner, Social-Media-Beauftragter des Polizeipräsidiums Karlsruhe, seien ihm und seinen Kollegen in den vergangenen Tagen keine solcher Enten bekannt geworden.

Doch deutschlandweit sieht dies anders aus, wie Polizeioberrat Uwe Bux, Leiter des Reviers Pforzheim Nord, vor einigen Wochen bei der Infoveranstaltung zur Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Thales-Gebäude in der Oststadt, sagte: „Erschüttert“ sei er über die Falschmeldungen im Internet: „Wir beobachten immer wieder Einträge in den sozialen Netzwerken über angebliche Vergewaltigungen, Raub und Totschläge durch Flüchtlinge. Wenn man denen nachgeht, stellen sie sich aber meistens als heiße Luft heraus.“ Seine Erklärung: „Es geht in Richtung Landtagswahlkampf.“ Über Facebook und Whatsapp verbreiten sich diese Gerüchte rasend schnell. Wer genau in die Welt gesetzt hat, weiß am Ende oft niemand mehr.

Der Verein „Mimikama“ ist eine Anlaufstelle, um verdächtige Internetinhalte zu melden und Meldungen überprüfen zu lassen. Weitere Infos unter www.mimikama.at.

Mehr lesen Sie am Mittwoch in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Leserkommentare (0)