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Mit selbst gestalteten Puzzleteilen haben vorwiegend junge Menschen ein großes Mosaik auf dem Marktplatz gestaltet, das ein Zeichen setzen soll gegen Krieg und Intoleranz und auch als buntes Gegenstück zur obskuren Mahnwache der Rechtsextremisten auf dem Wartberg dienen soll. © Ketterl
23.02.2013

Mosaik-Aktion als Zeichen gegen Krieg und Intoleranz

Pforzheim. Trotz klirrender Kälte haben am Samstagvormittag zahlreiche Bürger die Entstehung eines eindrucksvollen Zeichens gegen Krieg und Gewalt und für Zivilcourage und Toleranz mitverfolgt: Insgesamt 400 Puzzleteile umfasst das Mosaik, das bis zum 1. März auf dem Marktplatz zu bestaunen ist. Es erinnert an die Zerstörung großer Teile Pforzheims am 23. Februar 1945 durch die Bombardierung der Alliierten und mahnt, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Bildergalerie: Pforzheimer Mosaikaktion als Zeichen gegen den Krieg

Die jüngere Generation soll verstärkt in den Gedenktag eingebunden werden. Dies ist mit der Aktion, die heimische Künstler begleitet haben, eindrucksvoll gelungen. Viele Schulklassen, aber auch Jugendgruppen von Kirchen und Vereinen haben sich kreativ mit diesem für Pforzheim so einschneidenden Datum auseinandergesetzt. Bomben, Waffen und Feuersbrünste sind auf den Puzzlesteinen zu sehen, aber auch Friedenstauben und sich umfassende Hände.

Es gelte, zurückzuschauen auf das, was geschehen ist, aber auch, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, sagte Oberbürgermeister Gert Hager bei der Einweihung: "Wir stehen für ein Miteinander." Es sei ein wichtiges Signal, dass das Erinnern von den Bürgern mitgetragen werde.

Schüler des Kepler-Gymnasiums gestalteten eine szenische Lesung, trugen Berichte von Augenzeugen vor, erinnerten an das Schicksal der Juden in Pforzheim und stellten heraus, dass heute in ihrer Heimatstadt Menschen aus vielen verschiedenen Ländern lebten. "Und das ist auch gut so", sagten sie, ehe sie die Puzzlesteine zusammenfügten.

Nadège Mougel aus La Bresse las aus ihrem Buch, das an das Leid der elsässischen Zwangsarbeiter in Pforzheim erinnert. Bei einem anschließenden Arbeitsgespräch im Rathaus bekräftigten Hager sowie die Bürgermeister von La Bresse und Ventron, dass das partnerschaftliche Miteinander Pforzheims mit diesen französischen Gemeinden weiter ausgebaut und gestärkt werden soll.

Um 15.30 Uhr gibt es eine Kundgebung der „Initiative gegen Rechts“ mit Rüdiger Jungkind (Sprecher der Initiative), Verdi-Landeschefin Leni Breymaier und Kai Hoffmann von Antifa Pforzheim vor dem Rex-Kino an der Bahnhofstraße. Der Demonstrationszug zum Leopoldplatz entfällt. „Das Risiko, dass rechte Gewalttäter provozieren, bis es zu Ausschreitungen kommt, ist uns zu groß“, erläutern DGB-Regionssekretärin Susanne Nittel und Martin Kunzmann (IG Metall).

Die zentrale Gedenkfeier am Ehrenkreuz der Großgrabstätte auf dem Hauptfriedhof beginnt um 16 Uhr. Es gibt Sonderbusse ab Leopoldplatz (Bussteig 13) um 15.35 Uhr. Um 17 Uhr wird am Ost-Eingang des Hauptfriedhofs das Wandernagelkreuz an die Gastgemeinden übergeben.

Ab 18 Uhr können Interessierte eine ökumenische Orgelmeditation in der Schloßkirche mit Michael Eckerle (Orgel) und Pfarrerin Heike Reisner besuchen. Der Lions-Club Pforzheim-Enzkreis erinnert ab 18.30 Uhr auf dem Marktplatz mit der Verteilung von Suppen an die Not nach dem Bombenangriff. Die Kundgebung „Fackeln aus! Pforzheim setzt Zeichen“ startet um 19.30 Uhr auf dem Marktplatz, unter anderem mit einer Ansprache von OB Hager, Lesungen von Klaus Geber (Stadttheater) und stillem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Um 19.50 Uhr beginnt das Glockengeläut aller Pforzheimer Kirchen. Es wird 20 Minuten lang dauern – genauso lange wie die Bombardierung 1945. Claudius Erb