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Immer öfter muss das Jugendamt auch im Frauenhaus eingreifen, weil das Wohl eines Kindes gefährdet ist. Foto: dpa-Archiv
Immer öfter muss das Jugendamt auch im Frauenhaus eingreifen, weil das Wohl eines Kindes gefährdet ist. Foto: dpa-Archiv
27.10.2015

Mütter am Limit, Kinder in Gefahr

Pforzheim. Dass man seinem Kind eine Jacke anzieht, wenn es kalt ist, ihm die Windeln wechselt, wenn sie voll sind, ihm zu essen gibt, wenn es hungrig ist, und es zum Arzt bringt, wenn es krank ist, ist selbstverständlich – sollte man meinen. Doch immer mehr jungen Müttern fehlt es am Verständnis für die grundlegenden Dinge, wenn es um die Versorgung ihrer Kinder geht. Das ist eine Entwicklung, die Sabine Jost, Geschäftsführerin der Diakonie Pforzheim, und Teresa Neuhaus, Leiterin des Frauenhauses, mit Sorge beobachten.

Immer häufiger kommt es vor, dass sie Frauen und Kinder mit einem schlechten Bauchgefühl aus der Einrichtung entlassen. „Wir versuchen, sie vorzubereiten, ihre Erziehungs- und Versorgungskompetenz zu stärken – aber wir merken, das reicht nicht“, sagt Neuhaus. Um dieser Entwicklung zu begegnen, plant das ökumenische Frauenhaus unter Trägerschaft der Diakonie und der katholischen Kirche ein Projekt: das Verselbstständigungswohnen.

Mütter und ihre Kinder sollen nach dem Aufenthalt im Frauenhaus in eine eigene Wohnung oder Wohngemeinschaft in einem gemeinsamen Haus einziehen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren verpflichten sie sich, Lerneinheiten zu durchlaufen zu Themen wie Kinderpflege und -gesundheit, aber auch Haushaltsführung, Vorratshaltung, Ernährung sowie Finanzen. Zudem soll die Erziehungsberatungsstelle eingebunden werden. Auch die berufliche Qualifizierung der Frauen wird berücksichtigt.

Im Gegensatz zum Frauenhaus soll ein normales Alltagsleben erprobt werden, auf sich allein gestellt – ohne Rund-um-die-Uhr-Betreuung, aber mit festem Ansprechpartner, der stundenweise im Haus sein soll. Das Projekt soll in einem Gebäude mit fünf Wohnparteien im Enzkreis realisiert werden. In Gesprächen mit den Gesellschaftern und dem Förderverein habe das Vorhaben durchweg Zustimmung gefunden.

Nun soll es Gespräche mit dem Enzkreis geben, von dem man sich finanzielle Hilfe erhofft, um eine viertel Stelle für einen Sozialpädagogen zu schaffen. Die Mietkosten könnten über die Einnahmen aus der Untervermietung an die Frauen gedeckt werden. Schon Mitte nächsten Jahres könnte es an die Realisierung gehen, sagt Jost.

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