760_0900_122242_DSC08224.jpg
Auch der Garten wird zur Spielwiese: Über das neue Klettergerüst, das der Förderverein des Lions Clubs Pforzheim Johannes Reuchlin finanziert hat, freuen sich Diakonie-Chefin Sabine Jost (rechts), die Leiterin der Kita Irenicus, Clarissa Lethaus, und der Fördervereinsvorsitzende Thomas Müller.  Foto: Moritz 

Multireligiöse Kita Irenicus: Großes Interesse an bundesweit einmaligem Pilotprojekt in der City

Pforzheim. Als ihre Eröffnung anstand, musste sie gleich wieder schließen: Der Start der multireligiösen Kita Irenicus fiel genau in den Lockdown im Frühjahr. Doch nun tummeln sich 50 Jungen und Mädchen in dem bundesweit einmaligen Modellprojekt.

„Wir haben es geschafft“, sagt Sabine Jost erleichtert, die als Geschäftsführerin der Diakonie Pforzheim auch die Kita-Geschäftsführung innehat. Denn nicht nur der coronabedingte Start war herausfordernd, auch die Erwartungen an das Konzept waren hoch: Schafft man es, das Personal zu finden, und kommen Kinder aus verschiedenen Religionen? Diese Fragen kann Jost nun mit Ja beantworten. Von den 100 Plätzen ist die Hälfte belegt. 15 Mitarbeiter verschiedener Glaubensrichtungen betreuen Kinder in einer Krippengruppe und zwei Kindergartengruppen. Die Mädchen und Jungen kommen zum überwiegenden Teil aus der näheren Umgebung in die die Einrichtung an der Irenicusstraße, viele sind muslimischen, yezidischen oder orthodoxen Glaubens. Bis auf jüdische Kinder und Erzieher sind jedoch alle Richtungen in der Einrichtung vertreten.

200511_Vergabe Kitaplaetze (41)
Pforzheim

Platzvergabe in Pforzheimer Kitas: 1.712 Zusagen verschickt - aber auch 1158 Absagen

Ganz gezielt wegen des Schwerpunkts der Kita seien aber die wenigsten da, sagt Clarissa Lethaus, viele wüssten das vorher gar nicht so genau. „Aber wenn sie dann das Miteinander und den Respekt vor allen Religionen erleben, sind sie begeistert“, sagt die Kita-Leiterin.  Denn über das Jahr verteilt lernen die Kinder beispielsweise vier Feste pro Religion der aktuellen Trägervertreter (Christen, Juden, Muslime und Yeziden) intensiv kennen. Zudem vermittelt ihnen das Team, wie in Moschee, Synagoge oder Kirche gebetet wird oder wie die  Religionen riechen.

„Das sind erste Bausteine dafür, wie die zukünftige Generation miteinander umgeht“, lobt Thomas Müller, der Fördervereinsvorsitzende des Lions Clubs Pforzheim Johannes Reuchlin, der das 7000 Euro teure Klettergerüst im Garten der Kita finanziert hat.

Und durch den stetigen Austausch wachse auch das Team zusammen, sagt Lethaus über die Kollegen, die alle ganz bewusst wegen des Schwerpunkts in der Einrichtung arbeiten. Neben der Beantragung von Fördermitteln für die Elternarbeit will Jost im kommenden Jahr daher auch mit der wissenschaftlichen Begleitung des bundesweit beachteten Projekts durch die Uni Tübingen starten. So könnten von den Erfahrungen der multireligiösen Arbeit auch andere kirchliche und kommunale Einrichtungen profitieren. „Gerade in einer Stadt wie Pforzheim“, sagt Jost.

Nicola Arnet

Nicola Arnet

Zur Autorenseite