nach oben
Noch unter dem Eindruck des furchtbaren Brandes mit vier Toten an der Hirsauer Straße steht Maria Weller. Sie war mit Hündin „Bella“ in der Brandnacht Gassi gewesen. Foto: Ketterl
21.10.2015

Nach Brandtragödie in Dillweißenstein: Schreie hallen noch nach

Pforzheim. „Ich habe dem Hausbesitzer mindestens zehn SMS geschrieben – ,Dein Haus brennt!’“, sagt Maria Weller, Frau des Ex-Box-Champions René Weller. Sie wohnt ein paar Häuser von dem Anwesen entfernt, in dem in der Nacht zum Dienstag der Dachstuhl brannte und vier Rumänen verbrannten (die PZ berichtete). Maria Weller, so erzählt sie der PZ, war kurz vor Mitternacht mit Hündin „Bella“ vors Haus Gassi gegangen.

Bildergalerie: Betroffenheit und Spurensuche: Vier Tote bei Brand in Pforzheim

„Dann habe ich einen lauten Knall gehört, und die Flammen schossen aus dem Dach, die Ziegel flogen auf die Straße, Menschen haben in Todesangst geschrien – das müssen die Rumänen gewesen sein“, sagt Weller, die noch sichtlich unter Schock steht, „das war so schrecklich.“

Bildergalerie: Brand in Dillweißenstein fordert vier Todesopfer

Der Hausbesitzer („ein ganz lieber, sozial eingestellter Mensch“) befinde sich im Ausland, habe seinen Bruder an den Ort des Geschehens geschickt. Der Vermieter habe nicht gewusst – „und hätte es auch nicht zugelassen“ –, dass sein rumänischer Mieter unterm Dach in der engen Wohnung vier weitere Landsleute untergebracht hätte. Das dürfte sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft interessieren. Der Hausbesitzer, der sich diese Woche im Urlaub befindet, will sich auf telefonische PZ-Anfrage nicht selbst äußern und verweist an eine Pforzheimer Rechtsanwaltskanzlei. Einer der Anwälte verweist darauf, dass „bisher noch keine Möglichkeit war, das im Detail zu erörtern“. Das habe man auch der Kripo gesagt – man werde sich also bis nächste Woche gedulden müssen.

Freigegeben sind die Leichen noch nicht – die Obduktion in der Heidelberger Gerichtsmedizin erfolge am Freitag, so die Leitende Oberstaatsanwältin Sandra Bischoff. Sie führt ein Todesermittlungsverfahren – mit der Routinefrage: Könnte jemand anderes für das Feuer und den Tod der Männer verantwortlich sein? Für die Brandursache wohl nicht. Hier gehen Experten der Kripo und des Landeskriminalamts von einem technischen Defekt oder Fahrlässigkeit der späteren Opfer aus. Gut möglich, dass es eine tragbare Gas-Heizung war, die eigentlich nur außerhalb geschlossener Räume in Betrieb genommen werden darf.

Vergleichbare Brandtragödien gab es in Pforzheim und dem Enzkreis bisher nur selten. Einen Überblick vergangener Brände gibt es für Abonnenten von PZ-Plus hier.

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Leserkommentare (0)