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Drei Jahrzehnte trug Ferdinand Habermehl als Oberbürgermeister von Pforzheim die Amtskette der Stadt. Sein Amtsrücktritt war Folge eines Skandals mit Lebensmittelkarten.  Foto: Stadtarchiv 

Nach Lebensmittelkarten-Affäre: Bürger schenken Ex-OB Ferdinand Habermehl 140.000 Reichsmark

Pforzheim. Wer den Pforzheimer Hauptfriedhof betritt und die Allee hochgeht, dessen Blick fällt entlang der Reihe der Ehrengräber vor allem auf einen hohen Steinpfeiler – versehen mit dem Stadtwappen und der Aufschrift: „Dem unermüdlichen Förderer/des Gemeinwohls/der Stadt Pforzheim/Ferdinand Habermehl/in 30-jähriger Amtszeit als Oberbürgermeister/1889–1920/Die Stadt Pforzheim.“ Vor 100 Jahren, am 66. Geburtstag von Habermehl, statteten ihm Industrie und Handel für seine großen Verdienste um die Stadt und ihre Wirtschaft mit einer Ehrengabe einen besonderen Dank ab: Rund 140.000 Reichsmark (Jahresgehalt von OB-Nachfolger Erwin Gündert aus Mainz 54.000 Reichsmark) hatte eine Sammlung für den Ex-OB gebracht, die diesem eine Abordnung als „Beweis der ungeschmälerten Wertschätzung und Dankbarkeit“ überbrachte. Denn der Oberbürgermeister war im Sommer zuvor in eine Lebensmittelkarten-Affäre verwickelt gewesen, die ihn schließlich zum Rücktritt veranlasste.

Eines Tages im Sommer 1919 hatte eine Frau beim Einkauf im städtischen Lebensmittelladen an der Leopoldstraße beklagt, dass eine andere mehr Eier und Butter erhielt, als

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