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Die Polizei hat einen großen Fahndungserfolg gefeiert.
Die Polizei hat einen großen Fahndungserfolg gefeiert. © Symbolbild Adobe Stock
19.06.2019

Nach Razzia in Pforzheim: Polizei schnappt überregional aktive Automaten-Knacker-Bande

Pforzheim/Ludwigsburg. Aufmerksam war die "Pforzheimer Zeitung" bereits am Dienstag auf den Fall geworden: Mehre Beamte hatten in den frühen Morgenstunden ein Gebäude im Pforzheimer Stadtteil Haidach durchsucht und die Blicke von Lesern auf sich gezogen. 

Klar war zunächst nur, dass die Polizei in einem Fall von besonders schwerem Diebstahl ermittelt hat, nun gaben die Beamten Details bekannt: Im Zuge der Razzia in Pforzheim hat die Polizei eine überregionale Serie von Zigarettenautomaten-Aufbrüchen geklärt.

Die Ermittlungen hierzu führte die Kriminalpolizeidirektion Böblingen bereits Ende 2018. Damals hatten mehrere Tabakunternehmen eine Häufung von Automatenaufbrüchen gemeldet, bei denen die zunächst unbekannten Täter immer auf dieselbe Art und Weise vorgegangen waren und es immer auf die Cash-Box der Automaten abgesehen hatten.

Spur führt nach Pforzheim

In der Folge registrierte die Kriminalpolizei allein am Wochenende vom 18. bis 21. Januar vorwiegend im Kreis Böblingen 25 weitere Fälle, bei denen die Täter etwa 7.500 Euro erbeuteten und rund 10.000 Euro Sachschaden anrichteten. Nachdem die Ermittler mit zahlreichen weiteren Automatenaufbrüchen nicht nur im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, sondern auch in angrenzenden Regionen konfrontiert worden waren, führte der Hinweis eines aufmerksamen Zeugen am 26. März 2019 auf die Spur von drei Tatverdächtigen aus dem Kreis Pforzheim. Er hatte sie beobachtet, als sie sich in Leingarten-Großgartach (Kreis Heilbronn) an einem Automaten zu schaffen machten.

Während einer der Männer flüchten konnte, nahmen Polizisten ein 21 und 26 Jahre altes Brüderpaar vorläufig fest und stellten mutmaßliches Tatwerkzeug sicher. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn wurden die Tatverdächtigen einem Haftrichter vorgeführt, der Haftbefehle wegen schweren Bandendiebstahls erließ und sie in Justizvollzugsanstalten einwies. Sie haben mittlerweile fünf in derselben Nacht verübte Automatenaufbrüche eingeräumt.

Durchsuchung in Pforzheim

Die weiteren Ermittlungen mündeten am 18. Juni in eine Durchsuchungsaktion in Pforzheim, an der rund 35 Beamte der Polizeipräsidien Ludwigsburg und Karlsruhe sowie des Polizeipräsidiums Einsatz beteiligt waren. Auf PZ-Nachfrage erklärte die Polizei, dass keine Geschäftsräume, sondern ausschließlich Privatwohnungen durchsucht worden sind. Weitere Angaben, etwa zu den Berufen der Tatverdächtigen, macht die Polizei am Mittwoch nicht. In deren Verlauf wurden der vermutlich zunächst geflüchtete 19-Jährige sowie ein 27-jähriger, mutmaßlicher Mittäter an ihren Wohnanschriften festgenommen. Während der zuständige Haftrichter den gegen den 19-Jährigen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart erlassenen Haftbefehl in Vollzug setzte, wurde der 27-Jährige nach Durchführung der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Polizei zufolge ist er Mittäter. 

Das sagen die Tatverdächtigen

Der 19- und der 27-Jährige schweigen bislang zu den Vorwürfen. Die übrigen Tatverdächtigen haben nach Auskunft einer Polizeisprecherin die Tat in Leingarten eingeräumt. PZ-Informationen zufolge sind alle Beteiligten bis auf den 27-Jährigen bereits polizeibekannt.

Hoher Schaden

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg wurden zwischen November 2018 und Anfang April 2019 insgesamt 96 Aufbrüche von Zigarettenautomaten mit derselben Vorgehensweise registriert. Im süddeutschen Raum waren es über 500. Der Diebstahlschaden liegt hier laut Polizei im sechsstelligen Bereich, der Sachschaden sogar im mittlereren sechsstelligen Bereich.

Für wie viele dieser Delikte die vier aus Pforzheim stammenden allesamt deutschen Tatverdächtigen verantwortlich sein könnten, werden die weiteren Ermittlungen noch ergeben müssen. Die überregionale Serie riss nach der Festnahme des Brüderpaares jedoch schlagartig ab.

"Ein herausragender Ermittlungserfolg," freut sich Frank Spitzmüller, der Leiter der Kriminalpolizeidirektion Böblingen. "Dahinter steckt akribische kriminalpolizeiliche Arbeit, die in diesem Fall aber noch längst nicht abgeschlossen ist."