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Die Nordstadtbrücke in Pforzheim befindet sich in desolatem Zustand. © Meyer
15.08.2018

Nach Unglück in Genua: So ist der Zustand der 41 Brücken in Pforzheim

Pforzheim. Nach dem verheerenden Unglück im italienischen Genua, bei dem nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke mehr als 30 Menschen ums Leben kamen, stehen Brücken im Fokus der Öffentlichkeit. PZ-news zeigt, wie es um die insgesamt 41 Brücken in Pforzheim steht.

Bildergalerie: Marode Pforzheimer Brücken

Eine Untersuchung der Verwaltung über den Zustand der Pforzheimer Brücken kommt bei einer Benotung von 1 (sehr guter Zustand) bis 4 (ungenügend) zu folgendem Ergebnis:

Fußgängerbrücken sind allgemein in einem noch befriedigenden Zustand. Deren Substanz hat sich aber von 2003 bis 2016 von Note 2,1 auf 2,4 verschlechtert. 

[Von "sehr gut" bis "ungenügend": Pforzheims Fußgängerbrücken im Vergleich]

Verkehrsbrücken sind im Schnitt ausreichend. Zehn haben aber ihr rechnerisches Lebensende bis 2020 erreicht. Die Kallhardtbrücke (1928) befindet sich in einem ungenügenden Zustand (Note 3,4), was die Stand- und Verkehrssicherheit und die Dauerhaftigkeit angeht und muss 2020 saniert werden. Sie verfügt über ein schlechtes Betongefüge, glatten Betonstahl und deshalb eine korrodierte Bewehrung. Ihre Tragfähigkeit ist reduziert, so das Fazit der Experten. Sie verfügt über eine ungünstige Konstruktion, um sie zu verstärken.

Die Nordstadtbrücke befindet sich in einem ähnlich desolaten Zustand und soll im Jahr 2021 saniert werden. Dafür wird sie phasenweise gesperrt werden. Mit 113 Metern Länge und 18,53 Metern Breite ist sie die größte Brücke, Zustandsnote 3,2. Sie weist Betonabplatzungen und -korrosion an der Bewehrung auf, verformte Übergangskonstruktionen und Schäden an Beschichtungen. Der Römersteg im Enzauenpark ist seit Dezember 2008 gesperrt, Z ustandsnote 4,0. Es gibt Schäden an den Tragseilen. Eine Sanierung an der Stahlbetonplatte und an den Geländern ist notwendig. Der Gärtnersteg (1922) liegt unterhalb des Römerstegs, Zustandsnote 3,5. Eine Sanierung erfolgte 1956 und eine Reparatur 1989. Er verfügt über ein schlechtes Betongefüge und teilweise korrodierten Stahl. Die Lagerstellung ist sehr ungünstig, es gibt eine Verschiebung der Auflagerbänke. Die Sanierung an der Unterseite ist nicht möglich wegen Leitungen. Das städtische Flächen- und Tiefbauamt weist mit Blick auf den Handlungsbedarf darauf hin, dass auf dem Bausektor Hochkonjunktur herrsche. Dies gehe mit steigenden Preisen einher – und noch schlimmer: mit unbesetzten Fachstellen.

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