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Sie verdient wieder selbst ihr täglich Brot: Jacqueline Korinth mit ihrem Chef Janis Wiskandt, dem Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn und der Arbeitgeberberaterin Miriam Gerhardt (von links). Foto: Erb

Nach neun Jahren findet eine alleinerziehende Mutter dank neuer Förderung Arbeit

Pforzheim. Jacqueline Korinths Augen strahlen, während sie Brötchen in eine Tüte packt und sie dem prominenten Kunden über die Theke reicht. Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn ist gekommen, um sich vor Ort diese kleinen Erfolgsgeschichte anzuhören, die in der Bäckerei Wiskandt an der Bleichstraße geschrieben wird und der andere Arbeitgeber ähnliche Kapitel hinzufügen könnten.

Möglich macht dies das zum Jahresbeginn neu eingeführte Förderinstrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt“, das auf dem Paragrafen 16i des Zweiten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB II) basiert. Was sperrig klingt, ist eigentlich ganz einfach: Bäcker Wiskandt erhält eine umfassende Förderung, Korinth eine heiß ersehnte Chance, und beide sind glücklich. Was natürlich auch den Bürgermeister sowie die vermittelnden Experten des Jobcenters freut.

Beinahe neun Jahre lang war die heute 27-jährige Pforzheimerin ohne Arbeit. Weil sie früh Mutter wurde und ihre beiden Kinder – eine nun siebenjährige Tochter und einen sechsjährigen Sohn – bis heute allein großzieht. Als Arbeit wieder zur Option wurde, habe sie Bewerbung um Bewerbung geschrieben, aber nur Absagen erhalten, erzählt Korinth. Keine abgeschlossene Berufsausbildung, kein Führerschein, die Kinder: offenbar zu viele Hürden für potenzielle Arbeitgeber. Nicht so für Wiskandt, der – das betont Sozialbürgermeister Fillbrunn – schon lange gut mit dem Jobcenter zusammenarbeitet. Amtsleiterin Stephanie Schake bekräftigt, Wiskandt sei bereit, „aus sozialer Verantwortung neue Wege zu gehen“. Das hier zum Tragen kommende Förderinstrument greift bei Menschen, die über 24 Jahre alt und seit vielen Jahren arbeitslos sind. Ziel sei es, dass diese direkt auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen.

Volle Unterstützung

Im ersten Jahr können beide Seiten auf ein Coaching zurückgreifen, sollte es doch Probleme geben. Ganz entscheidend: Das Jobcenter fördert eine solche Beschäftigung in den ersten beiden Jahren zu 100 Prozent, bezahlt also voll den Lohn. Maximal kann die Förderung, die ab dem dritten Jahr um je zehn Prozent sinkt, fünf Jahre andauern – bis hoffentlich ein unbefristetes Arbeitsverhältnis daraus wird.

Interessierte Firmen wenden sich an die Arbeitgeberberatung telefonisch unter (07231) 394399, per E-Mail an arbeitgeberberatung@ pforzheim.de

Mehr lesen Sie am Freitag, 2. August, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Claudius Erb

Claudius Erb

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