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Zuerst heulte am Samstag kurz vor 1 Uhr eine Sirene (rechts) in der Pforzheimer Nordstadt los, dann kreiste acht Stunden später ein Polizeihubschrauber über Büchenbronn. Beide Fälle führten zu zahlreichen Nachfragen bei PZ-news.
Zuerst heulte am Samstag kurz vor 1 Uhr eine Sirene (rechts) in der Pforzheimer Nordstadt los, dann kreiste acht Stunden später ein Polizeihubschrauber über Büchenbronn. Beide Fälle führten zu zahlreichen Nachfragen bei PZ-news. © Symbolbild: dpa/tok
28.02.2015

Nächtliches Sirenengeheul und kreisender Polizei-Hubschrauber

Pforzheim. Gleich mehrmals stürmten Leseranfragen am Samstagmorgen auf PZ-news ein. Und in beiden Fällen wurden Menschen durch ungewohnten Lärm aus dem Schlaf geweckt. Am beängstigendsten war wohl das nächtliche Sirenengeheul in der Pforzheimer Nordstadt, doch auch der über dem Stadtteil Büchenbronn kreisende Polizeihubschrauber sorgte am Morgen für reichlich Aufsehen und Nachfragen.

Kurz vor 1 Uhr schreckten in der Nordstadt die Köpfe der vor dem Fernseher oder schon im Bett Eingeschlafenen hoch. Sirenenalarm – und keiner wusste, warum. In den sozialen Netzwerken wurde das Ereignis schnell von den Nachtaktiven aufgegriffen und ebenso schnell ironisch kommentiert. So viel steht inzwischen fest: Es handelt sich nicht um einen Alarm vor der Pforzheimer Grippewelle. Ältere Menschen jedoch schienen sich tatsächlich ängstlich an ihre Kinder gewandt zu haben, wie PZ-news mitgeteilt wurde.

Die Feuerwehr Pforzheim hatte jedenfalls keinen Sirenenalarm veranlasst. Dort geht man davon aus, dass ein technischer Defekt die Ursache fürs Sirenengeheul war und hat eine entsprechende Fehlermeldung weitergegeben.

Jedes Mal sorgen auch kreisende Polizeihubschrauber für Nachfragen. Am Samstag war der Helikopter rund acht Stunden nach dem verfrühten Wecksignal in der Nordstadt über dem Höhenstadtteil Büchenbronn zu sehen und zu hören. Gesucht wurde ein 85-jähriger Mann aus einem Wohnheim, der am Samstagmorgen noch lebend gefunden wurde, der jedoch, wie die Polizei erst am Sonntag mitteilte, kurz darauf im Krankenhaus starb. Mehr dazu >>> hier klicken <<<.

Warum heulen in Pforzheim die Sirenen?

Der Sirenenalarm in der Nacht von Freitag auf Samstag in Pforzheim war ein Versehen. Bei der letzten jährlichen Sirenenporbe im gesamten Pforzheimer Stadtgebiet und in Engelsbrand funktionierten 43 Sirenen im Stadtgebiet fehlerfrei. Nur eine wollte nicht wie geplant vor einer Katastrophe warnen. Erstmalig hat sich 2014 auch die Gemeinde Engelsbrand an der Sirenenprobe beteiligt und die Sirenen auf Ihrem Gemeindegebiet, durch die Pforzheimer Feuerwehrleitstelle aufheulen lassen.

Um die Sirenen in Gang zu setzen, reicht ein Mausklick am Computer in der Feuerwehrleitstelle. So kann im Ernstfall die ganze Stadt in wenigen Sekunden geweckt werden. Dass dieses System aus den 1960er-Jahren in Pforzheim noch erhalten ist, sei eine Besonderheit, sagte Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer vor der letzten Probe. In vielen anderen Städten habe man sich entschieden, die Anlagen nach dem Ende des Kalten Krieges abzubauen. „Hier wurden sie stattdessen ertüchtigt und sogar durch neue ergänzt.“

Je nach Modell und Standort seien die städtischen Alarmanlagen in einem Umkreis zwischen 350 Metern und einem Kilometer von ihrem Standort zu hören. Meist sind sie auf Dächern von Gebäuden angebracht. Es sei auch in der heutigen Zeit – trotz der Vielzahl neuerer Informationskanäle – wichtig, Menschen mit Hilfe einfacher Technik informieren zu können, so Feuerwehrkommandant Fischer. Erstmals wurden 2014 neben Meldungen auf Facebook, Twitter und den Internetseiten von Stadt und Feuerwehr auch die Anzeigetafeln an Bushaltestellen in die Infokette eingebunden.

Zuerst gab es bei der Probe einen einminütigen Dauerton. Er kündigte das Ende einer Gefahr an. Dann ertönte ein einminütiger auf- und absteigender Heulton. Im Ernstfall bedeutet dieser: Rundfunkgerät einschalten, auf Durchsagen achten. „Im Anschluss an das Signal würde die Stadt ihre Bewohner mit einer Rundfunkdurchsage vor drohenden Gefahren warnen und Hinweise zum zweckmäßigen Verhalten geben“, erklärte Frank Winterfeldt von der Pforzheimer Feuerwehr gegenüber der PZ die richtigen Verhaltensweisen bei Gefahrensituationen. Danach ertönte ein weiteres Sirenensignal. Ausgelöst wurde ein einminütiger Dauerton, der zweimal unterbrochen wurde. Er bedeutet im Gefahrenfall Feueralarm und dient zur Alarmierung aller Einsatzkräfte. Der Sirenenprobebetrieb endete wie er begonnen hatte: Mit einem einminütigen Dauerton - Entwarnung.

Wer sich schon in ruhigen Zeiten über das richtige Verhalten in Gefahrensituationen informieren will, erhält in der Hauptfeuerwache am Messplatz, Habermehlstraße 77, die Broschüre „Für den Notfall vorgesorgt“. Sie enthält Tipps und Informationen über das Verhalten bei Hochwasser und Unwettern, die Vorratshaltung für Notfälle, über die richtige Zusammenstellung der Hausapotheke und die Möglichkeiten der Brandverhütung. Die Broschüre ist auch an der Pforte im Neuen Rathaus sowie in den Ortsverwaltungen kostenlos erhältlich.

In Pforzheim dient der Sirenenalarm also vornehmlich zur Warnung der Bevölkerung, in kleineren Städten und im ländlichen Raum können Sirenen auch dazu dienen, im Katastrophenfall Rettungskräfte zu alarmieren. In Pforzheim ist die Sirenenalarmierung nur eine Rückfallebene für die übliche "stille Alarmierung". Es gibt auch nur noch den einen auf- und absteigenden Heulton, der ganz allgemein warnt und den Hörer dazu veranlassen sollte, sich über Radiodurchsagen oder übers Internet über die spezielle Gefahr zu informieren. In einem echten Notfall würden Feuerwehrfahrzeuge mit Lautsprechern vorfahren, um per Durchsage konkreter zu warnen, beziehungsweise Handlungsanweisungen zu geben. Warnungen vor Luftangriffen oder ähnlichen Dingen gibt es nicht mehr. Ein Video der Duisburger Feuerwehr gibt Einblicke in das Sirenenwesen.

 

Hier können Sie per Mausklick die >>> Infobroschüre der Feuerwehr Pforzheim <<< zum Thema Alarm und Verhalten im Katastrophenfall herunterladen.

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