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Am Samstag setzten sich trotz Regens die jüngsten Verkehrsteilnehmer bei Pforzheims erster „Kidical Mass“-Aktion auf einer 2,5 Kilometer langen Stecke für sichere Radwege ein. Foto: Fischle

Nässe hält „Critical Mass“-Radler nicht auf

Pforzheim. Einmal im Monat fährt ein Pulk Fahrradfahrer durch Pforzheim. Die Teilnehmer möchten so durch ihre bloße Menge Aufmerksamkeit für den Radverkehr generieren. Diese weltweite Bewegung nennt sich „Critical Mass“. Am Samstag setzten sich die jüngsten Verkehrsteilnehmer bei Pforzheims erster „Kidical Mass“-Aktion für sichere Radwege ein.

Die Veranstalter von „Critical Mass“ Pforzheim erhielten hierbei rege Unterstützung vom Gesamtschülerrat Stadt Pforzheim, dem Stadtjugendring im Rahmen der Aktion „70 Jahre – 70 Wünsche“, dem Deutschen Kinderschutzbund, dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) Kreisverband Pforzheim/Enzkreis und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Pforzheim-Enzkreis.

Nach Angaben der Stadt Pforzheim (aus dem Jahr 2017) liegt der Anteil der Fahrradfahrer in der Goldstadt bei sechs Prozent. Verbesserungen sind weiter dringend nötig. Sichere, komfortable Radwege würden das Fahrrad als Fortbewegungsmittel auch in Pforzheim wesentlich attraktiver machen, so die Veranstalter. Schüler weisen darauf hin, dass Autofahrer den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern oftmals nicht einhielten. Das sei nicht ungefährlich, und so ließen Eltern ihre Kinder lieber nicht durch die Stadt radeln. Stattdessen fahren sie ihre Sprösslinge häufig im Auto zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten, dies wiederum verschlechtert jedoch die Verkehrslage. Diesen Kreislauf möchten die Aktivisten durchbrechen: Die Lösung sind sichere Radwege. Die Kinder sollen davon am meisten profitieren. Mit dem Rad könnten sie sich eigenständig und unabhängig von den Eltern durch die Stadt bewegen.

Sicherheit durch Eskorte

Die 50 Teilnehmer der „Kidical Mass“-Tour starteten ihre 2,5 Kilometer lange Tour am Haus der Jugend an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße. Bei anhaltendem Regen ging es weiter entlang der Habermehl- und Zerrenner-straße über den Waisenhausplatz auf den Altstädter Kirchenweg. Dort wurde in Höhe der Inselschulen gewendet. Sicherheit gab ihnen dabei eine polizeiliche Eskorte. Zurück am Marktplatz, gab es verschiedene Spielangebote, Zuckerwatte, eine Malaktion und mehr.

Am Nachmittag nahm Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler die Zeichnungen der Kinder entgegen. Dem Wunsch der Kinder nach neuen Radwegen wolle sie gerne nachkommen. Die Bilder hängen nun im Rathaus. Im Hinblick auf die Kommunalwahlen ist die Aktion eine Erinnerung an die Stadträte, Pforzheims Radwege auszubauen. In den vergangenen fünf Jahren wurde das vorliegende Radwegekonzept größtenteils noch nicht umgesetzt.

Bei der Podiumsdiskussion der Fahrrad-Initiative „Critical Mass“ Ende April zeigte sich jedoch parteiübergreifend der Wille, das Fahrradfahren in der Stadt voranzubringen.