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Ein Tukan, der das „Wir“ auf der Fahne trägt, ist das Erkennungszeichen von Fabian Böhms Stiftung „BeTuk“, die Nastja Antonewitchs Projekt fördert.  Foto: Seibel
Ein Tukan, der das „Wir“ auf der Fahne trägt, ist das Erkennungszeichen von Fabian Böhms Stiftung „BeTuk“, die Nastja Antonewitchs Projekt fördert. Foto: Seibel
28.10.2015

Nastja Antonewitch und Fabian Böhm starten „Wir für Pforzheim“

Die 26-jährige Nastja Antonewitch legt sich für den Drittligisten HSG Pforzheim ins Zeug. Der 1,99-Meter-Hüne Fabian Böhm sorgt dafür, dass es im Rückraum des Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten für Gegner fast kein Durchkommen gibt. Weil beide nicht nur das Alter und das Handball-Talent, sondern auch die soziale Ader eint, machen sie nun mit „Wir für Pforzheim“ gemeinsame Sache. Benachteiligten und straffälligen Jugendlichen wollen sie helfend zur Seite stehen. Ein kleiner Tukan spielt dabei eine tragende Rolle.

Das Konzept von Antonewitch, die in Tübingen Sozialpädagogik studiert und sich in der Region in etlichen sozialen Projekten einbringt, hat die hiesigen Verantwortlichen bei einer Präsentation derart überzeugt, dass die Umsetzung schon morgen, Freitag, beginnt – Wochen früher als geplant. Im Auftrag der Handball-Spielgemeinschaft aus Turnerbund und Turngemeinde 1888 startet in Kooperation mit dem Haus des Jugendrechts ein Programm, von dem weitere soziale Träger in Pforzheim profitieren sollen. „Der Stadt fehlt das Personal, die kommt nicht hinterher“, weiß die Initiatorin. Sportler und Vereine seien gefordert, sich zu engagieren.

„Wir wollen nicht auf die Schwächen der Jugendlichen schauen, sondern deren Stärken ausbauen“, beschreibt Antonewitch den Ansatz, bei dem das gemeinsame Sporttreiben im Mittelpunkt steht. Mit einer Gruppe von maximal 30 straffälligen oder benachteiligten Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren wollen die 26-Jährige und ihre Helfer bis zu dreimal pro Woche je zwei bis drei Stunden trainieren. Es geht darum, individuelle Talente zu erkennen, zu fördern und so die Persönlichkeit des Einzelnen zu stärken. Ein Mentalcoach steht den Schützlingen zur Seite. Ihre eigene Rolle beschreibt die HSG-Aktive als „Kümmerer-Funktion“. Die Jugendlichen sollen wissen: „Wir sind für euch da und helfen euch, aber ihr müsst euren Weg selbst finden und gehen.“ So werden gemeinsam die sportlichen Aktivitäten geplant und Verhaltensregeln aufgestellt, auf deren Einhaltung Antonewitch streng achtet. Ziel ist es, die Jugendlichen an Vereine weiterzuvermitteln. Anfangs werde sie für die Teilnehmer begleitend, später beratend da sein.

Wie der Name des Projekts verrät, ist das Wir-Gefühl entscheidend. Hier kommen Fabian Böhm und eben jener Tukan ins Spiel. Gemeinsam mit dem Profi-Handballer Hannes Lindt, der für den HC Elbflorenz spielt, hat Böhm die Stiftung „BeTuk“ gegründet. Sie vertreibt Shirts aus Fairtrade-Produktion, deren Blickfang das Tukan-Motiv ist. Lindts Schwester hatte im Alter von fünf Jahren diesen lustigen Vogel gemalt, der ohne Frage einen hohen Wiedererkennungswert aufweist. Mit der für den HBW entwickelten Linie „Wir Gallier“ haben Böhm und Lindt Großes bewirkt. Weil viele Fans zugriffen und fünf Euro von jedem verkauften Shirt in wohltätige Projekte fließen, konnte in Balingen Kindern mit Behinderungen und jungen Flüchtlingen geholfen werden.

Ein Tukan-Shirt mit der Aufschrift „Wir für Pforzheim“ soll neben der Unterstützung durch HSG, Sponsoren und Partnern als Finanzierungshilfe für Antonewitchs Projekt dienen. Den Teilnehmern, die alle solch ein Kleidungsstück erhalten, aber auch deren Förderern vermittele es zudem das Gefühl, dazuzugehören. Eben dieses Miteinander wird durch Besuche von HSG-Spielen weiter gefördert. Ab und an könnte es eine Busfahrt zu einem HBW-Spiel geben.

Wenn Straffällige gut mitmachen und sich bewähren, wird dies positive Effekte auf die Anzahl ihrer Arbeits- und Sozialstunden haben. Wichtiger ist, dass sie Freunde finden, Spaß am Sport haben und „gar nicht auf die Idee kommen, auf die Straße zu gehen und Blödsinn zu machen“, betont Antonewitch.

Das „Wir für Pforzheim“-Shirt kann für 25 Euro per E-Mail an nastjaantonewitch@gmx.de bestellt und demnächst auch bei HSG-Spielen gekauft werden.