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Der Laubbaumbestand im Stadtwald ist seit dem Jahr 1889 von 23 Prozent auf heute 54 Prozent gewachsen: Markus Haller (links), Chef vom Umweltamt, erklärt den Gemeinderäten beim Spaziergang durch den Walddistrikt Klapfenhardt die erfreuliche Bilanz.
Der Laubbaumbestand im Stadtwald ist seit dem Jahr 1889 von 23 Prozent auf heute 54 Prozent gewachsen: Markus Haller (links), Chef vom Umweltamt, erklärt den Gemeinderäten beim Spaziergang durch den Walddistrikt Klapfenhardt die erfreuliche Bilanz.
17.05.2017

Naturnaher Stadtwald begeistert Vertreter des Gemeinderats.

Die Vertreter des Gemeinderats haben unter Leitung von Umweltdezernentin Sibylle Schüssler einen Spaziergang im Walddistrikt Klapfenhardt unternommen, um sich über aktuelle Entwicklungen im 1700 Hektar großen Stadtwald zu informieren. Dabei berichteten Umwelt- und Forstamtsleiter Markus Haller und Revierleiter Martin Hof von den positiven Ergebnissen der alle zehn Jahre stattfindenden Bestandserhebung und mittelfristigen Betriebsplanung. „Die konsequente Förderung von Mischwäldern kommt auch der großen Bedeutung des Stadtwaldes als Naherholungsraum und grüne Lunge für die Pforzheimer Bevölkerung zugute,“ ist sich Schüssler sicher.

Die Baumarten Buche, Weißtanne und Eiche sowie andere Mischbaumarten hätten laut den Experten deutlich zugenommen. Damit sei der Stadtwald auch im Hinblick auf weitere Veränderungen durch den Klimawandel gut aufgestellt. Der Holzvorrat sei laut Haller nach den Schäden durch Orkan „Lothar“ 1999 wieder um erfreuliche 13 Prozent auf durchschnittlich 320 Vorratsfestmeter pro Hektar Wald angestiegen. Dank der vorhandenen Naturverjüngung – insbesondere von Buche und Weißtanne – könne der Stadtwald gezielt zu stufigen und strukturreichen Wäldern weiterentwickelt werden. Seit über 20 Jahren gibt es im Stadtwald keinerlei Kahlhiebe mehr. Seither wurde auch auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden vollständig verzichtet. Diese Art der Waldbewirtschaftung zahle sich ökologisch und auch in wirtschaftlicher Hinsicht aus, da unter anderem fast keine Kosten anfielen und der Wald auch gegenüber Witterungsextremen stabiler sei, betonte Markus Haller.

Buchenbestand als Brutraum

Besonders beeindruckend für die Vertreter des Gemeinderats war die Besichtigung eines vier Hektar großen, fast 200-jährigen Buchenbestandes. Als Teil eines forstlichen Gesamtkonzepts im Stadtwald soll dieser ökologisch besonders wertvolle Wald mit zahlreichen Brutbäumen für Spechte, Hohltauben und Fledermäusen sowie insgesamt annähernd 100 Hektar weitere Flächen (etwa ein bis fünf Hektar Größe), die über den ganzen Stadtwald verteilt sind, künftig ohne jegliche Nutzung sich selbst überlassen werden.

Dadurch entsteht auch Lebensraum für zahlreiche, auf morsches und abgestorbenes Holz angewiesene Insekten- und Pilzarten. Durch den Nutzungsverzicht auf diesen Flächen können sich auch große, mächtige Bäume entwickeln. Mit der formellen Ausweisung als Naturwaldzellen können diese Flächen auch als forstrechtliche Ausgleichsmaßnahmen herangezogen werden. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist die Ausgleichsfläche für die erforderliche Waldrodung für den Bau der Westtangente. Entlang des Mittelbergwegs werden dort künftig auch wertvolle Altbestände mit Höhlenbäumen aus Gründen des Fledermausschutzes erhalten.