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08.12.2009

Nehmen Sie Karte? Autobahnsünder zahlen bargeldlos

PFORZHEIM/ENZKREIS. Die zentrale Bußgeldstelle in Bretten wird entlastet: Kleine Ordnungswidrigkeiten auf der Autobahn können an Ort und Stelle bargeldlos beglichen werden. Auch Sicherheitsleistungen zahlt man mit Karte.

Wird es so sein wie vor ein paar Tagen, als sie den französischen Brummi-Fahrer vorübergehend aus dem Verkehr zogen? Als sie ihm wegen mehrfachen Überholens – was er nicht durfte – und zu schnellen Fahrens 380 Euro abknöpften plus 25 Euro Bearbeitungsgebühr? Natürlich nicht für die Kaffeekasse des Autobahnpolizeireviers, sondern für das Landes-Säckel?

Polizeihauptkommissar Cornelius Wald und sein Chef, Revierleiter Günther Haas, sitzen in ihrem Streifenwagen, der mit laufendem Motor in einer Nothaltebucht der Enztal-Steigungsstrecke zwischen den Ausfahrten Pforzheim-Ost und -Nord steht. Ein idealer Platz, um durchzustarten, wenn ein Lastwagenfahrer verbotenerweise überholen würde – bis zum Parkplatz vor dem Kämpfelbachviadukt hätten sie ihn eingeholt und rausgelotst.

Doch nicht jeder ausländische Trucker hat – schon aus Angst, beklaut zu werden –, viel Bargeld dabei. „Früher mussten wir dann Taxi spielen und ihn zum nächsten Bankomaten und wieder zurück zum Rastplatz fahren, bis wir unsere Sicherheitsleistungen hatten“, sagt Wald. Das ist seit ein paar Tagen Vergangenheit. „Wir akzeptieren gerne auch Ihre EC- oder Kreditkarte“, heißt es nun auch bei der Autobahnpolizei.

Die Reviere Karlsruhe und Ditzingen machten im September den Anfang, bekamen als erste die Kinderkrankheiten zu spüren. Die seien nun auskuriert, sagt Haas. Seit ein paar Wochen werden die Beamten aller 19 Autobahnpolizei-Reviere in Baden-Württemberg auf dem Gerät eingewiesen. In Pforzheim, so Haas, sei das bei über der Hälfte seiner rund 40-köpfigen Mannschaft erfolgt. Der Rest wird im Verlauf der nächsten Tage und Wochen geschult.

Zum Einsatz kommen die Karten-Terminals – das Pforzheimer Revier verfügt über drei der Leasing-Geräte – aus rechtlichen Gründen nur bei geringfügigen Ordnungswidrigkeiten bis 35 Euro (beispielsweise notorische Linksfahrer, Mittelstreifen-Schleicher, Gurtmuffel oder Temposünder bis maximal 20 Stundenkilometer) und beim Erbringen von so- genannten Sicherheitsleistungen. Dies betrifft ausländische Verkehrsteilnehmer, vorwiegend Fernfahrer. Ein paar tausend Euro im Jahr kommen da regelmäßig zusammen. Sicher ist sicher, lautet die Devise der Polizei – wer weiß, ob man Geld sieht, wenn die Verkehrssünder über alle Berge sind?

Und so ziehen Wald und seine Kollegen – wie bereits schon die Schweizer, Österreicher und Italiener – die Kreditkarten durch den Schlitz am rechten Rand des Geräts oder stecken das EC-Plastik in den Schlitz an der Unterseite. Wie's beliebt. Und wenn das Konto nicht gedeckt ist? Oder der Einzug widerrufen wird? Das müsste, wenn überhaupt, binnen Stunden passieren. Denn abends ist Kassensturz – zur Freude der Landeskasse. Das Risiko trägt die Leasingfirma.