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01.10.2009

Neonazi muss nach Hetzjagd ein Jahr ins Gefängnis

PFORZHEIM. Zwei junge Männer sitzen sich vor Gericht gegenüber: Der eine traut sich nicht mehr allein auf die Straße, der andere muss nun ein Jahr lang ins Gefängnis. Am Donnerstag ist der ehemalige Chef der Neonazi-Gruppierung „Heidnischer Sturm Pforzheim“ zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt worden. Ihm gegenüber saß der 15-Jährige, den er im Mai durch die Nordstadt verfolgt hatte.

Jugendrichter Udo Pawlischta sah es als erwiesen an, dass der heute 21 Jahre alte Angeklagte zusammen mit zwei weiteren Neonazis den Jungen wegen dessen dunkler Hautfarbe gejagt hatte. Die beiden anderen sind der Staatsanwaltschaft unbekannt. Der Angeklagte wollte die Namen auch während der Verhandlung nicht nennen, obwohl sie angeblich seine Sichtweise des Abends hätten bezeugen können.

Laut eigener Aussage wollte er den Jungen nämlich nur ansprechen, ob dieser bei einem früheren Überfall dabei gewesen sei, bei dem der Angeklagte von rund 15 Personen heftig zusammengeschlagen worden sei. Eine Verfolgungsjagd habe eingesetzt. Er sei dem Jungen auf den Rücken gesprungen, habe ihn dabei mit dem Arm gestreift. Laut Anklageschrift war es jedoch ein gezielter Schlag auf den Hinterkopf. Die Zeugen vor Gericht erinnerten sich an das Geschehen anders: „Der Junge war total panisch, suchte und schrie verzweifelt nach Hilfe“, sagte ein Zeuge. Ein anderer will einen hasserfüllten Gesichtsausdruck beim Angeklagten gesehen haben. „Das muss für Außenstehende wie ein rassistischer Übergriff ausgesehen haben, weil er schwarz ist, und ich mit Glatze und Stiefeln unterwegs war. Aber das war es sicher nicht“, sagte der Angeklagte.

Richter Pawlischta glaubte diese Version nicht, urteilte außerdem nach Erwachsenenstrafrecht. Bewährung stand weder für die Staatsanwaltschaft und Nebenklage noch für das Gericht zur Debatte. Mehrere Chancen zur Entschuldigung ließ der Angeklagte ungenutzt. „Erst mit einer Entschuldigung hätten wir überhaupt über Bewährung nachdenken können“, sagte Pawlischta.

Neben der gefährlichen Körperverletzung stand der 21-Jährige wegen Schwarzfahrens und Beleidigungen vor Gericht. Nach der Urteilsverkündung kündigte der Angeklagte an, Rechtsmittel einlegen zu wollen.