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Arbeit mit Verantwortung: Wenn Frauen oder Kinder verängstigt anrufen, weil sie gerade von Familienangehörigen geschlagen wurden, geht das Thomas Schneider, Polizeiführer vom Dienst, sehr nahe. Das erzählt er Carolin Ulbrich und Marc Dietz im Blaulicht-TV, der neuen Sendung auf PZ-news.de.
Arbeit mit Verantwortung: Wenn Frauen oder Kinder verängstigt anrufen, weil sie gerade von Familienangehörigen geschlagen wurden, geht das Thomas Schneider, Polizeiführer vom Dienst, sehr nahe. Das erzählt er Carolin Ulbrich und Marc Dietz im Blaulicht-TV, der neuen Sendung auf PZ-news.de.
05.11.2010

Neue Sendung auf PZ-news: Blaulicht-TV blickt hinter die Kulissen der Retter in der Region

Eine Frau weint ins Telefon. Sie ist verängstigt, steht unter Schock. Stockend erzählt sie, dass sie gerade von ihrem Mann misshandelt wurde. Der Polizist am anderen Ende der Leitung versucht, sie zu beruhigen. Mit tiefer Stimme wiederholt er, was die Frau ihm erzählt, und fragt, wo sie sich befindet. Während er mit ihr über sein Headset spricht, schreibt er am Computer ein Einsatzprotokoll. Dieses blinkt auf dem Bildschirm des zuständigen Polizeireviers auf, und von dort wird sofort ein Streifenwagen zu der Familie geschickt – und das alles, während der Beamte telefoniert.

„Wenn Frauen und Kinder schildern, wie sie gerade Opfer von häuslicher Gewalt werden – das sind die Momente, die mir sehr nahe gehen“, sagt Thomas Schneider, Polizeiführer vom Dienst. Er arbeitet im Führungs- und Lagezentrum der Pforzheimer Polizei und nimmt dort die Notrufe entgegen, also die Anrufe, die über die Notrufnummer 110 bei der Polizei ankommen.

Von Hektik keine Spur

Die Einsatzleitstelle befindet sich im fünften Stock des Polizeigebäudes an der Bahnhofstraße. Schneider sitzt an einem großen Schreibtisch, auf dem mehrere Bildschirme halbkreisförmig angeordnet sind. Auf einem sieht er die Angaben zum Anrufer, auf dem anderen füllt er das Einsatzprotokoll aus und auf dem dritten wird angezeigt, wo sich die Einsatzstelle befindet.

In dem Zimmer über den Dächern Pforzheims ist es ruhig, von Hektik keine Spur. Bis zu sechs Notrufe gleichzeitig können hier entgegen- genommen werden, am Tag klingelt das Telefon bis zu 160 Mal – meistens aber nicht, weil tatsächlich etwas Schlimmes passiert ist. „Die Anrufe bei uns sind in den meisten Fällen Fehlalarme“, sagt Schneider. Oft würden diese durch Alarmanlagen oder automatische Bewegungsmelder bei Firmen ausgelöst. Aber auch durch Menschen, die die Notrufnummer missbrauchen. „Es kommt immer wieder vor, dass Betrunkene bei uns anrufen und zum Beispiel fordern, dass wir ihnen ein Taxi schicken“, erzählt Schneider. Immer häufiger tritt auch ein anderes Problem ans Tageslicht: „In den vergangenen Jahren passiert es oft, dass wir die Menschen nicht verstehen, die uns einen Notfall schildern wollen, weil sie ganz einfach nicht Deutsch sprechen können“, schildert Schneider. Thomas Schneider ist seit 31 Jahren im Polizeidienst. „Ich bin selbst lange Zeit Streife gefahren, bevor ich Polizeiführer vom Dienst wurde“, erzählt er PZ-news.de im Blaulicht-TV. An seiner Arbeit mag er besonders, Verantwortung zu übernehmen und die Einsätze vom Büro aus zu koordinieren.

In der Einsatzleitstelle klingelt das Telefon. Einsatzsachbearbeiter Thomas Koch nimmt den Anruf entgegen. Er hört zu und fragt dann: „Fehlt denn sonst noch etwas?“ Was sich im ersten Moment so anhört, als würde gerade jemand einen Einbruch melden, stellt sich kurz darauf als etwas ganz anderes heraus: „Eine ältere Dame hat angerufen und gesagt, sie finde ihren Personalausweis nicht mehr“, erzählt Koch – und bleibt dabei ganz gelassen. Denn solche Anrufe kennt der Polizist schon. „Wir sind hier immer wieder der Kummerkasten für einsame Menschen, die einfach nur einen Rat brauchen“, sagt er.

Diese Anrufe kommen seiner Erfahrung nach vor allem aus dem Pforzheimer Stadtgebiet. „Wir merken, dass gerade den älteren Menschen hier die Ansprechpartner, die sozialen Kontakte fehlen. Oft brauchen sie einfach nur jemanden, der ihnen zuhört.“ Darunter gebe es auch einige, die immer wieder anrufen, „unsere regelmäßigen Kunden“, wie Koch sie nennt. Der älteren Dame rät er an einem Vormittag ins Pforzheimer Rathaus zu gehen – dort könne sie einen neuen Personalausweis beantragen.

Doch nicht alle Fehlalarme enden so glimpflich: „Bei uns werden alle Handynummern angezeigt, auch wenn der Anrufer sie unterdrückt“, erklärt Schneider. Und so könnten viele mutwillige Notruf-Missbräuche zurück verfolgt und zur Anzeige gebracht werden. Trotz aller Fehlalarme müssen die Polizisten stets damit rechnen, das etwas Schlimmes passiert sein könnte, wenn das Telefon klingelt. Bei Stichworten wie „Überfall“, „Raub“, „Waffe“, Feuer“ oder „schwerer Unfall“ sind die Beamten sofort alarmiert, denn nun gilt es, schnell zu handeln. Und bei aller Aufregung und Dramatik müssen die Beamten in der Einsatzleitstelle vor allem eines tun: Immer einen kühlen Kopf bewahren.

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