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Setzen sich für eine individuelle Förderung von Arbeitslosen ein: Ute Hötzer, Oliver Keppler, Anleiterin Beate Vogel und Harald Stickel (von links) im neuen Quartierszentrum West.
Setzen sich für eine individuelle Förderung von Arbeitslosen ein: Ute Hötzer, Oliver Keppler, Anleiterin Beate Vogel und Harald Stickel (von links) im neuen Quartierszentrum West.
08.04.2016

Neue Wege aus der Arbeitslosigkeit

Die Zutaten für die Kuchen stehen auf der Küchentheke des Quartierszentrums. Einige Frauen backen für das Café Prosa in der Stadtbibliothek. Von nächster Woche an werden die Frauen im noch nicht offiziell eingeweihten Quartierszentrum West an der Simmlerstraße auch einen Mittagstisch anbieten. Die Verwaltung des Beschäftigungsträgers Q-Prints ist in den ersten Stock gezogen und hat im Erdgeschoss Platz gemacht für Tische und Stühle des neuen Arbeitsprojekts.

Die jobsuchenden Frauen seien über Arbeitsgelegenheiten beschäftigt, erklärt Geschäftsführerin Ute Hötzer. Einer von mehreren Schritten zurück ins Berufsleben. Hötzer bildet zusammen mit Oliver Keppler (Lebenshilfe) und Harald Stickel (Plan B) den Kreisvorstand des Paritätischen. Sie fordern die Politik auf, solche Eingliederungsmaßnahmen in ausreichender Zahl und angemessen zu finanzieren. Die Forderung ist Teil einer Initiative für Ausbildung und Beschäftigung, die ein Bündel an Vorschlägen bereithält. Der Anlass dafür ist ernst: Die hohen Arbeitslosenzahlen sind zwar laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit leicht zurückgegangen. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Gesamtzahl stieg in Pforzheim in den vergangenen Jahren aber auf knapp 50 Prozent, erklärt Hötzer. Knapp jeder achte erwerbsfähige Pforzheimer (11.000 Personen) beziehe Sozialhilfe, jedes fünfte Kind bis 15 Jahre ebenso. Rund 70 Prozent der Arbeitslosen seien ohne Ausbildung.

Das Jobcenter halte zwar kurzfristige Maßnahmen bereit. „Was aber fehle, seien fördernde Projekte, die ineinandergreifen, so Hötzer. Pforzheim habe sich bewusst als Optionskommune aufgestellt, um arbeitsmarktpolitische Instrumente passgenau entwerfen zu können. Im Moment zerschlage die Stadt aber Strukturen. „Wir brauchen ein politisches Bekenntnis.“ „Die verschiedenen Sozialgesetzbücher halten unterschiedliche Projekte bereit,“ ergänzt Stickel. Deshalb sei es wichtig, die Übergänge sorgfältig zu gestalten, damit die Betroffenen so lange wie nötig unterstützt würden. Der Kreisverband schlägt deshalb individuelle Instrumente vor, wie etwa ältere Menschen für Berufe modular zu qualifizieren. Ähnlich wie das Lernrestaurant Goldener Anker mit der Qualifizierung zu Gastronomie-Berufen verfahre, könnte dies auch in anderen Bereichen erfolgen. Auch Flüchtlinge und junge Erwachsene könnten davon profitieren. Der Paritätische fordert zudem einen runden Tisch, bestehend aus Jobcenter, Kammern, Wirtschaftsförderung, Jobcenter und Trägern. Keppler hält die Aufteilung in mehrere Arbeitsmärkte für überflüssig. „Es gibt einen Arbeitsmarkt, auf dem jeder Teilnehmer unterschiedlich stark gefördert wird.“ Über jeden zusätzlichen Arbeitnehmer generiere die Stadt die so dringend benötigten Einnahmen.

Langfristige wissenschaftliche Untersuchungen sollten die Qualität der Hilfen messen, sagt Hötzer.