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Martina Ritzi (Zweite von rechts) hat das „Einzigware“-Logo in Szene gesetzt. Mit ihr freut sich das Caritas-Team Florian Jösel, Teresa Neuhaus, Katja Öhler und Frank Johannes Lemke (von links). Foto: Meyer
Martina Ritzi (Zweite von rechts) hat das „Einzigware“-Logo in Szene gesetzt. Mit ihr freut sich das Caritas-Team Florian Jösel, Teresa Neuhaus, Katja Öhler und Frank Johannes Lemke (von links). Foto: Meyer
Mit hauchdünnem Serviettenpapier beklebt und verschönert Anneliese Migendt Behälter aller Art. Foto: Meyer
Mit hauchdünnem Serviettenpapier beklebt und verschönert Anneliese Migendt Behälter aller Art. Foto: Meyer
Udo Müller verhilft einem ausrangierten Stuhl zu neuem Glanz – und hat an dieser Arbeit sichtlich Freude. Foto: Meyer
Udo Müller verhilft einem ausrangierten Stuhl zu neuem Glanz – und hat an dieser Arbeit sichtlich Freude. Foto: Meyer
14.09.2018

Neuer Laden in Pforzheim bietet wunderbare „Einzigware“

Pforzheim. Das hier ist für mich eine Rettung“, sagt Anneliese Migendt. „Für uns alle!“, bekräftigt Martina Ritzi. Beide Frauen sprühen regelrecht vor Ideen in der Werkstatt des neuen Ladens „Einzigware“ an der Dillsteiner Straße im Erdgeschoss des Martinsbaus, der an diesem Freitagmittag zur gläsernen Produktion seine Pforten öffnet und gleich viele Passanten neugierig macht. Aus Gebrauchtem und Ausgedientem entstehen dekorative Einzelstücke – eben „Einzigware“. Das bundesweite Projekt der Caritas hilft nun auch in Pforzheim psychisch Erkrankten dabei, einen Weg aus der persönlichen Krise zurück in das gesellschaftliche Miteinander zu finden. Die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ hat „Einzigware“ mit einer Starthilfe über 5000 Euro gefördert.

Psychische Erkrankungen seien „massiv auf dem Vormarsch“, weiß Caritas-Direktor Frank Johannes Lemke. Die Tagesstätte für Betroffene werde von rund 150 Menschen besucht. Das hier von der Tagesstättenleiterin Katja Öhler umgesetzte Projekt ermöglicht es ihnen, die Wartezeit auf einen Arbeitsplatz in einer Reha-Werkstatt oder einem anderen geschützten Rahmen sinnvoll zu überbrücken. In der Regel seien diese Menschen ob ihrer gesundheitlichen Situation einsam, weiß Lemke. Hier träten sie wieder in Kontakt mit Menschen und fänden „Anschluss an unsere Gesellschaft – damit sie nicht außen vor bleiben, sondern sich mittendrin befinden“.

Anneliese Migendt, die zuvor in einer Bäckerei als Verkäuferin gearbeitet hat, bestätigt das. „Sehr viel Lebensqualität“ gebe ihr diese Tätigkeit zurück, berichtet die Frau, die ein Faible für Serviettentechnik entwickelt hat. Sorgfältig grundiert und beklebt sie ausgediente Lebensmitteldosen, die sich so in Väschen und schmucke Behälter für Stifte, Tee, Kaffee oder Nudeln verwandeln. Der Austausch mit den anderen Besuchern der Tagesstätte, vor allem aber auch die Rückmeldungen der Kunden gäben ihr Kraft: „Sie sind begeistert von dem, was wir schaffen, und wir sind froh, dass unsere Arbeit so geschätzt wird.“

Das im Frühjahr gestartete „Einzigware“ sei für sie inzwischen „ein Stück Zuhause“, berichtet die gelernte Automobilmechanikerin Martina Ritzi, die ihr beeindruckendes grafisches Talent zur Geltung bringen kann. „Das ist nicht einfach nur ein Projekt, das ist eine Herzensangelegenheit“, sagt sie.

„Einzigware“, Dillsteiner Straße 3, ist dienstags und donnerstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Um immer neue wunderbare Einzigware produzieren zu können, freuen sich die Teilnehmer über Kleinmöbel wie Stühle, Hocker und Kommoden als Sachspenden, aber auch über Stoffe und Nähzubehör.

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