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Ab sofort auf Sendung: Clara Runge, die Künstler Christian Büttiker und Tanja Baltermia, Johannes Mall, Lina Pittner und Katharina Küster (von links).  Foto: Seibel
Ab sofort auf Sendung: Clara Runge, die Künstler Christian Büttiker und Tanja Baltermia, Johannes Mall, Lina Pittner und Katharina Küster (von links). Foto: Seibel
03.12.2015

Neues Kunstprojekt lässt aufhorchen

Pforzheim. Im Sommer in der Bahnhofstraße waren es kunstvolle Tänze, Installationen, Fotos und Workshops, die den Teilnehmern die Probleme und Chancen dieser Stadt vor Augen führen sollten. Bei der Eröffnung des neuen Domizils in der Östlichen 7 am Mittwochabend müssen die Besucher die Ohren spitzen, um auf Entdeckungsreise zu gehen. Tanja Baltermia (22) und Christian Büttiger (23) – beide studieren Mediale Kunst an der Züricher Hochschule der Künste – senden Radiowellen durch die Räume, die der Verein Leerstand als Freiraum (LAF) nun für längere Zeit beleben und bespielen wird.

Das Interesse beim Auftakt ist vielversprechend: Zeitweise sind die tragbaren Radiogeräte vergriffen, mit denen die Gäste von Klanginsel zu Klanginsel spazieren.

Wie die LAF-Aktive Katharina Küster erläutert, will sich der Verein nach dem Auftakt-Thema „Wahrnehmung“ nun der Reflexion widmen. Kleine Sender haben die Züricher Studenten an mehreren Stellen aufgehängt. Wer sich ihnen nähert, empfängt über das mitgeführte Radio Geräusche. Mitschnitte von Partys etwa, die in inzwischen geschlossenen Clubs gefeiert wurden. Er hört aber auch Pressestimmen, die die Geschichte und weitere Entwicklung jener Räume in den Fokus rücken. Über die alternative Nutzung eines Leerstands wird berichtet, über Bestrebungen der Behörden, solche Hausbesetzungen zu beenden, und auch über neue Nutzungskonzepte, etwa durch Investoren aus der Wirtschaft.

Diese Kunstaktion ermöglicht eine thematische Auseinandersetzung, die dem LAF-Ansatz entspricht. „ Auch wir bespielen Leerstand“, sagt Katharina Küster.

Der Verein wolle hinterfragen, wie Menschen mit urbanen Strukturen umgehen, wie sie sich diese aneignen – und wie solche Strukturen vielleicht zu verändern sind. Küster und ihr Team freuen sich über die große Zahl von Unterstützern dieses Projektraums, darunter die „Pforzheimer Zeitung“.

Doch auch die Vereinsmitglieder ernten viel Lob. „Ganz logisch“ findet es Christine Müh, die Leiterin des Kommunalen Kinos, genau mit dieser Arbeit des schweizerischen Duos zu beginnen. Es sei schön, dass hier ein Forum für Kunst entstehe, die sonst im Wortsinn wenig Raum finde, weil sie vergleichsweise schwer zugänglich sei, urteilt der Filmemacher und Dozent Joachim Wossidlo, der das Kino in Wildbad (KiWi) führt: „Sie ist aber sehr gewinnbringend, wenn man dahintergestiegen ist.“

Gerhard Baral, Gesamtkoordinator des Schmuckjubiläums 2017, nennt LAF eine der ernsthaften und ernstzunehmenden Gruppen, die in den vergangenen Jahren in Pforzheim gegründet wurden. Mit Kreativität und „unheimlichem Enthusiasmus“ setzten sich die Studenten und jungen Hochschulabsolventen für eine Belebung der Stadt ein. Die Arbeit „Transmission – Ein performativer Spaziergang“ von Tanja Baltermia und Christian Büttiker ist bis Sonntag, 20. Dezember, zu sehen. Der LAF-Projektraum in der Östlichen 7 ist donnerstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

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