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Starten gemeinsam mit den CDU-Parteifreunden ins Wahljahr 2016: Gunther Krichbaum, Bundestagsabgeordneter und Kreisvorsitzender, mit Ehefrau Oana, Generalsekretär Peter Tauber, Landtagsabgeordnete Marianne Engeser, Claudia und Jochen Birkle, Vorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU  Enzkreis/Pforzheim (MIT), sowie der Europaparlamentarier Daniel Caspary (von links). Foto: Bechtle
Starten gemeinsam mit den CDU-Parteifreunden ins Wahljahr 2016: Gunther Krichbaum, Bundestagsabgeordneter und Kreisvorsitzender, mit Ehefrau Oana, Generalsekretär Peter Tauber, Landtagsabgeordnete Marianne Engeser, Claudia und Jochen Birkle, Vorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Enzkreis/Pforzheim (MIT), sowie der Europaparlamentarier Daniel Caspary (von links). Foto: Bechtle
17.01.2016

Neujahrsempfang der CDU: Die Kraft der Zuversicht

Es hat sicherlich schon angenehmere Zeitpunkte für Festtagsreden bei der CDU gegeben. Doch Peter Tauber weiß, wie er ein Publikum in seinen Bann schlägt. Der Generalsekretär der Christdemokraten hat es am Samstag beim gemeinsamen Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbandes und des MIT-Kreisverbandes Enzkreis/Pforzheim verstanden, seinen Parteifreunden eine andere, zuversichtliche Perspektive auf vergangene und kommende Herausforderungen zu geben.

Das Koordinatensystem zieht der Kreisvorsitzende Gunther Krichbaum im trotz der Abwesenheit einiger CDU-Granden gut besuchten Reuchlinhaus auf, indem er an zum Teil bereits aus dem Blick geratene Krisen des vergangenen Jahres erinnert: vom Krieg in der Ukraine über Pariser Terroranschläge bis hin zur Flüchtlingskrise, dem „Rendezvous mit der Globalisierung“ – und nicht zuletzt Griechenland. Der Vorsitzende des Europaausschusses verteidigt die Politik der Bundeskanzlerin und erinnert an das Prinzip Nächstenliebe, betont aber, dass das berühmte „Wir schaffen das“ ein europäisches Wir sein müsse, ohne zu verschweigen, dass er sich um den Zustand Europas „ernsthafte Sorgen“ mache.

Konstante Unsicherheit

Auf dieser Analyse kann Tauber aufbauen. „So schwierig war es eigentlich noch nie“, formuliert er ein Gefühl, dass nicht wenige hierzulande zu beschleichen scheint, und fragt: „Aber stimmt das eigentlich?“ Kämpfe im Nahen Osten, Krieg am Persischen Golf, Krisen an den Rändern Russlands, Flüchtlinge und Streit in der SPD – er referiert die Tagesschau vor 25 Jahren: „Hat sich nichts geändert“, konstatiert der gebürtige Hesse trocken. Vielleicht sei die Unsicherheit ja die Konstante.

Die Rede des 41-jährigen Historikers, der über die gesellschaftliche Stellung des Sports im Deutschen Kaiserreich promoviert hat, ist ein Appell an die Zuversicht. Tauber spricht über den Wunsch nach Planbarkeit, nach der Antwort auf die Frage, wo das Land in einem Jahr steht. „In Wahrheit weiß das in einer Welt der Globalisierung keiner so genau.“

Zugleich habe Deutschland viele Herausforderungen bewältigt, vieles geschafft, was heute als selbstverständlich gelte. Tauber führt Beispiele wie die deutsche Einheit, die deutsch-französische Aussöhnung an, oder auch die Soziale Marktwirtschaft. „Die CDU hat in ihrem Ahlener Programm 1947 noch etwas von Planwirtschaft geschrieben“, so Tauber.

Errungenschaften sind kein Automatismus, Herausforderungen keine unüberwindbaren Hürden: Das ist die rhetorisch gekonnt übermittelte Botschaft an seine Parteifreunde – auch in der Flüchtlingsfrage: „Wir müssen natürlich alles tun, damit weniger Flüchtlinge in unser Land kommen“, sagt Tauber und zeigt Fortschritte auf: „Inzwischen kommt fast niemand mehr vom Balkan.“ Nun sollten auch die nordafrikanischen Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden. Auch die Abläufe seien durch mehr Personal verbessert worden: Anstatt wie anfangs 600 entscheide das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) inzwischen mehr als 2000 Fälle pro Tag – die eine Hälfte in der Regel positiv, die andere negativ.

„Gastrecht verwirkt“

Selbstverständlich kommt auch Köln zur Sprache. Flüchtlinge, die sich an den Übergriffen beteiligt haben, hätten ihr Gastrecht verwirkt, sagt Tauber, betont aber: „Wir müssen auch über Integrationsversagen reden. Das ist ein Versäumnis von Jahrzehnten. Wir haben nicht klar genau gesagt, wie wir leben wollen“, sagt der Generalsekretär und erneuert die Forderung nach einer Leitkultur, nach etwas „das uns alle verbindet“ – über das Grundgesetz hinaus. „Ich weiß noch, wie Friedrich Merz beschimpft worden ist.“ Heute würden dies auch Grünenpolitiker fordern.

Ehe Jochen Birkle von der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung den offiziellen Teil beschließt, zeigt Tauber noch einmal mit vier menschlichen Geschichten, was für ihn positive Beispiele des Zusammenlebens und Stärken der Gesellschaft sind – und dass er das Spiel auf der Gefühlsklaviatur meisterlich beherrscht. „Das war die beste Rede, die ich je bei einem Neujahrsempfang gehört habe“, sagt Rolf Constantin, Stadtrat und seit 45 Jahren CDU-Mitglied.

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