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Gerhard Schick (am Mikro) garniert seinen Vortrag mit den passenden Liedern, die Landtagskandidaten gewähren einen ersten Blick auf ihre Plakate.   Keller
Gerhard Schick (am Mikro) garniert seinen Vortrag mit den passenden Liedern, die Landtagskandidaten gewähren einen ersten Blick auf ihre Plakate. Keller
24.01.2016

Neujahrsempfang der Grünen: Partei setzt auf Gerechtigkeit und klare Gegnerschaft zu Rechts

Was nicht alles in Liedern steckt. In „Heal the world“ des verstorbenen US-Superstars Michael Jackson zum Beispiel, auf deutsch etwa: „Heile die Welt“, mit der Textzeile, die übersetzt „mach sie einen besseren Platz, für dich und für mich und die ganze menschliche Rasse“ lautet.

das sei die Kurzform des grünen Parteiprogramms, sagt Gerhard Schick an diesem Sonntagvormittag beim Neujahrsempfang der Grünen im Café des Reuchlinhauses. Schick, Bundestagsabgeordneter aus Mannheim und als Betreuungsparlamentarier seiner Partei für Pforzheim und den Enzkreis ein oft gesehener Gast im Nordschwarzwald, hat seinen politischen Vortrag entlang von Liedern aufgebaut, die ihm passsend scheinen Gesungen werden sie von seiner Büroleiterin Martina Netzer, die das gut kann, der Chef selbst sitzt am E-Piano.

Nichts, wofür man töten müsste

Und so geben sie mit Blick auf die Ursachen von Terror in Paris wie Krieg und Flucht in Syrien John Lennons „Imagine“ (zu Deutsch: Stell Dir vor...) zum besten: Stell dir vor, es gibt keine Nationen, nichts, für das man töten oder sterben müsste, auch keine Religion. Mit diesen und anderen Liedern kommt Schick auf Inhalte und Ziele grüner Politik zu sprechen, vom klaren Bekenntnis gegen Fremdenfeindlichkeit über Umwelt- und Klimaschutz angesichts der fortschreitenden Nutzung von Kohleenergie auch durch Deutschland – „es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, ob Menschen auch weiter auf diesem Planeten leben können oder ob wir uns selbst verbrennen“ – bis hin zum Großthema Gerechtigkeit, in dem Schick die ursächliche Frage aller Probleme sieht. Global, was Kriege unddaraus resultierende Flüchtlingsströme angeht, wie auch in Deutschland. Wenn für Schlechterverdienende, die dafür hierzulande meist von der Geburt an schon vorherbestimmt seien, in Städten kaum bezahlbarer Wohnraum zu finden sei, resultierten daraus Probleme und Konflikte.

„Erbärmlicher geht’s nicht“

Zuvor hatten sich vor den rund 100 Gästen, darunter Stadträte, Vertreter mehrerer Organisationen und auch Schmuckjubiläum-Manager Gerald Baral, die zwei Landtagskandidaten der Grünen für Pforzheim und den Enzkreis vorgestellt. Die Pforzheimerin Katrin Lechler bekannte dabei, vor zwei Wochen von ihren ursprünglichen für diesen Auftritt geplanten Themen Bildung und Kultur Abschied genommen zu haben. „Das schien mir angesichts dieses neuen, unglaublichen Hasses auf Journalisten, auf Politiker und vor allem auf Flüchtlinge so banal.“ Es wundere sie, dass dies gegenüber Schwächeren in einem so reichen Land möglich sei. „Erbärmlicher geht’s nicht. Warum machen sich Leute, denen es so gut geht, so klein?“ Gute Flüchtlingspolitik sei Gesellschaftspoliik für alle und komme, zum Beispiel in Gestalt von sozialem Wohnungsbau, allen zugute.

Enzkreis-Kandidatin Stefanie Seemann betonte die Nachhaltigkeit grüner Politik. „Es geht darum, die Folgen unseres Handelns und unseres Lebenstils global zu bedenken.“ Dafür, dass Politik die richtigen Rahmenbedingungen setze, brauche es die Grünen. Mit Blick auf Köln sei es richtig, die längst überfällige Verschärfung des Sexualstrafrechts anzugehen. Gesetze hätten unterschiedslos für alle Gültigkeit.

Erster Blick auf Plakate

Sie warnte scharf vor Vorverurteilungen. Konkret bekannte sie sich zu Themen wie Bildungsgerechttigkeit, gegen überbordenden Flächenverbrauch und für eine bessere Vernetzung sowie einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Fahrradwegenetzes. Zudem stellten beide erstmals ihre Plakate vor, die neben Fotos der Kandidaten auch den Schriftzug „Für Kretschmann“ tragen.