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Die brutale Gewalt und die Zahl der Opfer des rechtsterroristischen Angriffs auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch schockiert die Bewohner des Inselstaats, die sich so etwas in ihrem Land nicht vorstellen konnten. Foto: dpa
15.03.2019

Neuseeländer in Pforzheim geschockt: „So etwas passiert bei uns nicht“

Pforzheim/Christchurch. „Ich habe das heute auf Facebook gesehen und konnte nur ungläubig staunen“, sagt John Willis. Der Trainer der Bundesliga-Rugbymannschaft der SG TV/CfR Pforzheim war am Freitag auch Stunden nach der tödlichen Schießerei im neuseeländischen Christchurch noch schockiert: „Ich dachte immer, dass so etwas in Neuseeland nicht geschehen kann.“

Ähnlich äußerten sich Freunde und Familie, die Willis wegen des Terrorangriffs auf zwei Moscheen über Soziale Netzwerke kontaktierte. Auch andere Pforzheimer mit Bezügen zum Inselstaat im südlichen Pazifik können nicht verstehen, wie die grausame, blutige Tat in diesem Land geschehen konnte.

Bildergalerie: Mehrere Tote nach Attacken auf Moscheen in Neuseeland

„Ich kann das nicht glauben. Verrückt. So etwas passiert bei uns nicht“, sagt ein fassungsloser Lee Murray, ein aus Neuseeland kommender Pforzheimer Rugbyspieler, der jüngst fürs deutsche Nationalteam spielte. Er meldete sich gleich beim früheren TVP-Mitspieler Faimalo Magele, der in Christchurch lebt und ebenfalls nicht verstehen kann, wie in seinem Land der Hass auf Moslems so explodieren kann. Neuseeland, so Murray, lebe von Immigranten. Im Rugby, dem absoluten Topsport im Inselstaat, komme man ohnehin mit Menschen mit den unterschiedlichsten Wurzeln zusammen - und das funktioniere eigentlich problemlos, so Willis.

Der gebürtige Pforzheimer Journalist Johannes Röckinger hörte am Morgen vom Terrorakt im Autoradio. Umgehend meldete er sich bei seinem Bruder Thomas Röckinger, der das Weingut „Colombo“ in Martinborough leitet. Das liegt zwar rund 400 Kilometer von Christchurch entfernt auf der Nordinsel, aber die Familie hat das Grauen dennoch sehr mitgenommen. Niemand aus dem Bekanntenkreis der Röckingers ist etwas passiert, aber allgemein sitze der Schock bei den Neuseeländern sehr tief, so Johannes Röckinger.

Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigte, dass einer der Verdächtigen Australier sei. Er sprach von einem „rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen“. Und wie sieht es mit rechtsextremistischen Umtrieben in Neuseeland aus? „Ich war 2016 dort. Das war für mich die heile Welt“, sagt Johannes Röckinger. Die Menschen seien weltoffen, freundlich und „sehr gechillt“. Rassismus und Hass habe er in Neuseeland nicht erlebt.