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12.10.2008

Nightgroove: Kneipenwandern zum VolksbankHaus

Volles VolksbankHaus: Bei der siebten Auflage des lustigen Kneippen-Hin-und-Hers namens Nightgroove warf ein Großteil der rund 5000 Nachtwanderer einen Blick hinein in die Location am Leopoldplatz. Das VolksbankHaus avancierte in einer kühlen Oktobernacht zum Mittelpunkt, um den sich der Nightgroove 2008 drehte.

Es ist mehr als nur einer unter vielen – genauer gesagt: 24 tollen Feier-Standorten, die ein bunt gemischtes Publikum prima unterhielten. Der VolksbankHaus-Sonderstatus erschließt sich nicht nur aus seiner zentralen Lage. Vielmehr ist es das fantastisch vielschichtige Musik-Angebot, das sich von einem ohnehin sehr guten Durchschnitt noch abzusetzen weiß.

Drei Höhepunkte auf einen Streich kann der Zuschauer erleben im VolksbankHaus: DJ Cosmo an den Plattentellern, Timo Maneri im Zusammenspiel mit der Band „Crossover“ – und vor allem: „Soulfamily“ auf der PZ-Bühne. Auf dem Paket, das Cosmo, Maneri und „Crossover“ zusammen schnüren, steht „ Studio 53“ – eine Hommage an den legendären New Yorker Nachtclub der 70er Jahre. Ein Symbol für Exzesse, Hedonismus, Hemmungslosigkeit.

Eine Hommage an Studio 54

Unter diesen Vorzeichen verwandelt sich das „Jost‘s“, sonst feines Restaurant, in einen Club, eine Interpretation des „Studio 54“. Eine Motto-Party darf man so etwas auch nennen. Und eine solche klingt hervorragend, wenn sie echte Könner ihres jeweiligen Fachs umsetzen. Also: DJ Cosmo, der seine Trance- und HousePlatten daheim ließ und dafür treibende Disco-Klassiker unters Volk brachte. Und das waren erst die Aufwärmübungen. Es folgt Live-Musik – unterhaltsam wie vielfältig – des Trios „Crossover“, angeführt vom studierten Sänger Timo Maneri.

In Sicht- und Hörweite entfernt auf der PZ-Bühne: das filigrane Hand- und Mundwerk von mehr als einem Dutzend Musikern der „Soul Family“. Das ist die größte Soulband Deutschlands, die an diesem Abend länger spielt als alle anderen. Ihren nächtlichen Groove-Rhythmen darf man sich bis drei Uhr in jugendlichem Leichtsinn hingeben.

Letzteres ist übrigens keine Altersfrage, sondern Tanz-Spaß von 18 bis 68 Jahren. Denn: Bei dieser stimmungsvoll inszenierten Populärmusik – gerne Hymnen und Klassiker – im Speziellen, beim „Nightgroove“ im Allgemeinen kann man eigentlich nicht gar nicht alt aussehen – außer man ist daheim geblieben statt ausgegangen. Wer hingegen zu nächtlicher Stunde den Weg ins „VolksbankHaus“ gefunden hat, der feiert ausgelassen, tanzt fröhlich. Manche verewigen sich auf dem Tanzparkett mt zeitloser Eleganz hoher Absätzen, andere mit moderner Lässigkeit von Chucks-Turntretern.

Das Publikum, das sich vor der PZ-Bühne in tänzerischer Selbstverwirklichung betätigt, ist ein Spiegel des Nightgroove: gut gelaunt, aufgebrezelt, bunt gemischt ist es. „Soulfamily“ lässt einer begeisterten Menge nur wenige Verschnaufpausen. Der mitreißende Soul-Vortrag ist ihr Ding, nicht das Geizen mit Höhenpunkten. Zu „Ain‘t nobody“ oder „Mustang Sally“ lässt es sich tanzen bis in die Morgenstunden des Sonntags – und das in einer Stadt, wo der Sonntag heilig ist. So heilig, da selbst Einkaufssonntage verboten sind. Tanz-Sonntage nicht.

Fazit des Nightgroove 2008: Selten im Jahr sieht man so viele glückliche Gesichter, die von augedehntem Wander-Spaß durch meist vier, fünf, sechs vollen Lokalen erzählen. Wen man fragt, der erzählt s von bester Stimmung. Und oft der PZ-Bühne im VolksbankHaus. Ronny Thurow