760_0900_58065_.jpg
Immer schön ausbalancieren: Redakteurin Nina Giesecke übt sich als Kellnerin. 
760_0900_58064_.jpg
Unter den Augen von Betriebsleiterin Sonia Scoferciu (Zweite von links) serviert PZ-Redakteurin Nina Giesecke in den Enzauenstuben auf dem OechsleFest.  Foto: Seibel 

Ninas Ding: Beim Balancieren auf dem OechsleFest bloß nicht kleckern

Schweiß rinnt mir über die Stirn. Gerade habe ich mir die Finger an einem heißen Teller verbrannt und nun melden sich auch noch meine Füße. Um mich herum wuseln junge Mädchen hin und her. Sie stemmen Tabletts voller Getränke oder balancieren mehrere Teller in den Händen. Seit einer Stunde laufe ich mit ihnen auf dem OechsleFest zwischen den vielen Biertischen der Enzauenstuben hin und her. Einmal Maultaschen mit Kartoffelsalat hier, eine Weißherbstschorle da.

Gerade um die Mittagszeit herrscht auf dem OechsleFest bei Familie Daudert Hochbetrieb. Ein ums andere Essen wird aus der Küche auf die Bedientheke gestellt und ich versuche, einige davon ohne Pannen, ohne Kleckern oder Daumen in der Soße zu verteilen. Ausgestattet mit Schürze, Geldbeutel und Tablett versuche ich mich als Bedienung. Schnell merke ich: Das ist ganz schön anstrengend.

„Immer freundlich sein, relativ viel Wasser trinken, mit den Leuten unterhalten – dann wird es nie langweilig – und auf jeden Fall nicht stressen lassen“, gibt mir Jennifer Fries, Servicekollegin auf Zeit, gute Ratschläge. Die erfahrene Bedienung wechselt außerdem zweimal am Tag die Schuhe – ein Geheimtipp, um abends schmerzende Füße zu vermeiden. Schuhe zum Wechseln habe ich leider nicht dabei, dafür aber jede Menge Wechselgeld.

Die Rechnungen kommen aus einer Maschine – wenn ich endlich kapiere, wie sie funktioniert. Das Gute daran: Ich brauche nicht selbst mühsam nachzurechnen. Zum Glück, sonst hätten die Gäste wahrscheinlich abends noch aufs Bezahlen gewartet.

Während ich zwei Tische mit Speisen und Getränken versorge und anschließend ganz schön außer Atem bin, haben die anderen Bedienungen in derselben Zeit etwa doppelt so viel geschafft. „Du warst sehr aufmerksam und auf Zack … nur, an deiner Schnelligkeit musst du noch arbeiten“, sagt eine von mir bediente Kollegin, die die Mittagspause auf dem Fest verbracht hat. Noch schneller? Dann schwappt doch das Viertele über oder das Schnitzel rutscht vom Teller. Für mich hat das Teller-Balancieren auch nach dem ersten Einarbeiten immer noch etwas mit Artistik zu tun.

„Du hast das sehr gut gemacht. Ich würde dich morgen schon einstellen“, sagt Sonia Scoferciu, Betriebsleiterin und rechte Hand von Wirt Frank Daudert. Schön zu hören, aber erst muss ich Brandstellen an den Fingern und meine geplagten Füße pflegen. Und dann werde ich wohl lieber wieder auf dem OechsleFest sitzen als mich voll beladen durch die Tischreihen zu schlängeln. Bedient zu werden ist doch verlockender.