Nordstadtschule
Nichts geht mehr: Was für Unbefugte gedacht ist, gilt nun auch für die Arbeiter. Die Sanierung der Nordstadtschule ist unterbrochen, der Ausgang ungewiss, die Eltern zürnen.

Nordstadtschule: Die Sanierung kommt später – oder nie

Seit langer Zeit hat niemand mehr so zornbebend den Sitzungsaal des Pforzheimer Gemeinderats verlassen wie Susanne Kalytta, die Elternbeiratsvorsitzende der Nordstadtschule, am Dienstag Abend.

Wenige Minuten zuvor hatte der dort tagende Finanzausschuss mehrheitlich mit Ausnahme der SPD dem Oberbürgermeister Gert Hager die Gefolgschaft verweigert, zumindest für den Südflügel der wegen Einsturzgefahr gesperrten Nordstadtschule die Sanierung fortsetzen zu dürfen. Für den Mittel- und NOrdflügel könne man dann immer noch über einen Neubau nachdenken, hatte Hager argumentiert, wie schon zuvor Gerhard Biehmelt als Leiter des städtischen Gebäudemanagements.

Zeit wird knapp

Biehmelt teilte den anwesenden Stadträten mit, dass die Sanierung des Südflügels nur dann gesichert zum Schuljahr 2012/13 fertig sein könnte, wenn das Rathaus noch im September die Aufträge vergeben könne. Selbst wenn dies, wie von Hager nun beabsichtigt, im Wege eines formalen Antrags in der Gemeinderatssitzung am 11. Oktober erfolge, könne es knapp werden. Biehmelt rechnete ebenfalls vor, dass die Stadt bereits feststehende Ausgaben von 1,5 Millionen Euro für die Sanierung getätigt habe, die sie im Falle eines Neubaus in den Sand gesetzt habe. Ein Neubau werde zwischen der Entscheidung übers Raumprogramm und der Fertigstellung vier bis viereinhalb Jahre benötigen, die gesamte Generalsanierung könne, wenn sie sofort beginne, Ende 2013 fertig sein.

Der CDU-Frakionsvorsitzende Florentin Goldmann sowie seine Kollegen Philipp Paschen (FDP) und Sibylle Schüssler (Grüne Liste) gingen hart mit Hager und der Verwaltung ins Gericht. Obwohl die Forderung, einen Neubau zu prüfen, im Raum stehe, mache die Verwaltung einfach weiter und schaffe Fakten, so Goldmann. Paschen sah den Gemeinderat unter Druck gesetzt und sprach von einem „Alarmhebel“: „Ich finde das Vorgehen nicht in Ordnung.“ Schüssler erinnerte daran, dass dem früher getroffenen Beschluss für die Generalsanierung ganz andere Kosten zugrunde lagen, dass es mit der Planung auch schneller gehen könne und die Alfons-Kern-Schule zeige, dass es sich lohne, Entscheidungen gründlich zu überdenken und gelegentlich zu ändern.

Neubau wohl deutlich teurer

Für die sofortige Sanierung des Südflügels und ein baldiges Ja zur Generalsanierung des gesamten Rests sprach sich einzig die SPD-Fraktion aus. Alles andere wäre fahrlässig und angesichts der bereits ausgegebenen Gelder auch der Bürgerschaft nicht vermittelbar, sagte ihr Sprecher Joachim Rösch. Zudem sei in einer Kostenschätzung davon die Rede, dass die Generalsanierung rund acht Millionen Euro billiger komme als ein Neubau. Heute vormittag will OB Gert Hager mit Schulleitung und Elternvertretern der Nordstadtschule über das künftige pädagogische Konzept reden. Im Fall eines Neubaus wäre dies dann die Grundlage für die Raumplanung, auf der dann wiederum mit dem Architektenwettbewerb der Einstieg in die rund vier Jahre lange Bau- und Planungsphase erfolgt.