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Filigran: das Motiv zum Jubiläum „225 Jahre Schmuck und Uhren aus Pforzheim“. Foto: Ketterl
Filigran: das Motiv zum Jubiläum „225 Jahre Schmuck und Uhren aus Pforzheim“. Foto: Ketterl
Plakativ: die Marke zu „200 Jahre Schmuck und Uhren“. Foto: Ketterl
Plakativ: die Marke zu „200 Jahre Schmuck und Uhren“. Foto: Ketterl
Pfiffige Kampagne: Citymanager Rüdiger Fricke mit den WSP-Marken, die den Spruch „bruddel net rum“ in die Briefkästen brachte. Foto: Ketterl
Pfiffige Kampagne: Citymanager Rüdiger Fricke mit den WSP-Marken, die den Spruch „bruddel net rum“ in die Briefkästen brachte. Foto: Ketterl
Eine eigene Marke kreierte Würm zum 750-jährigen Bestehen des Orts.  Foto: Ketterl
Eine eigene Marke kreierte Würm zum 750-jährigen Bestehen des Orts. Foto: Ketterl
Ihre Kunst geht auf dem Postweg auf Reisen: Regelmäßig setzt Viola auf selbst kreierte Briefmarken. Foto: Ketterl
Ihre Kunst geht auf dem Postweg auf Reisen: Regelmäßig setzt Viola auf selbst kreierte Briefmarken. Foto: Ketterl
03.01.2016

Nur ein Umweg führt zur Sondermarke fürs Pforzheimer Schmuckjubiläum

Zum Pforzheimer Schmuckjubiläum wird es kein offizielles Postwertzeichen geben. Die Stadt aber könnte selbst die Post abgehen lassen – nach Würmer Vorbild.

Aus der Traum: 2017 wird es zum Jubiläum „250 Jahre Schmuck und Uhren aus Pforzheim“ keine offizielle Sonderbriefmarke geben. Das Bundesfinanzministerium hat anderen Themen den Vorrang gegeben. Eine spezielle Marke hatte es 1967 gegeben – die Schmuck- und Uhrenindustrie brachte in Eigenregie und in Millionenauflage eine solche Werbemarke heraus. 1992 – zu 225 Jahren Schmuck und Uhren – setzte dann die Deutsche Bundespost ein gezacktes Zeichen. Ganz aufgeben muss die Stadt etwaige Pläne für eine eigene Marke nicht. Sie könnte selbst ein Wertzeichen gestalten und in Umlauf bringen. Wie das geht, hat Würm vorgemacht.

Vergebliches Engagement

Bereits im Februar hatte PZ-Redakteur Gerhard Ketterl beim Ministerium der Finanzen in Berlin den Antrag auf eine Sondermarke zum Schmuck- und Uhrenjubiläum gestellt. Später machte sich auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum für eine solche Marke stark und wandte sich nach eigenen Angaben an Mitglieder des zuständigen Beirats. Durch die intensive Förderung des badischen Herrscherhauses sei Pforzheim zur führenden Schmuck- und Uhrenproduktionsstätte in Europa aufgestiegen und zur Goldstadt geworden, begründete Krichbaum sein Engagement: „Mit einer eigenen Briefmarke könnten wir mit Stolz auf diese Erfolgsgeschichte zurückblicken und zugleich zeigen, dass Pforzheim heute immer noch das Zentrum der deutschen Schmuckindustrie ist.“

Inzwischen hat der Beirat zur Auswahl von Themen für die Sonderpostwertzeichen beim Bundesministerium der Finanzen getagt. Die von ihm ausgewählten Themen werden dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für eine Realisierung empfohlen. Unter den 52 Markenmotiven für 2017 finden sich etwa „500 Jahre Reformation“, „200 Jahre Erfindung des Fahrrads“ oder der „100. Geburtstag Heinrich Böll“, aber auch „150 Jahre Norddeutscher Bund“, „400 Jahre Fruchtbringende Gesellschaft“, „50 Jahre Deutsche Kommission Justicia et Pax“ und „Motive von Otto Waalkes“. Hinzu kommen Plusmarken, etwa zur Förderung der Jugend oder des Sports, und Serien, zum Beispiel „Tierkinder“ mit Iltis und Wildschwein.

Dass Pforzheim außen vor bleibt, ist nicht nur für Ketterl und Krichbaum enttäuschend. Denn solch eine offizielle Marke ist ein Werbeträger, der bundesweit für Aufsehen sorgt. Auf diese PR muss die Stadt nun verzichten. Um dennoch auf dem Postweg Werbung in eigener Sache zu machen, müsste sie selbst tätig werden. „Portocard individuell“ heißt das Angebot der Deutschen Post, das eigene Kreationen ermöglicht. Würm hatte solch einer Marke fertigen lassen, die neben den Wappen der Stadt Pforzheim und des Stadtteils Würm den Schriftzug „750 Jahre Würm 1263–2013“ und eine Schnecke zeigte – sie steht für den Kosenamen der Würmer. Die von einem Pforzheimer Grafikdesign-Büro entworfene und in limitierter Auflage auf den Markt gebrachte Marke fand großen Anklang und entwickelte sich zum Sammlerstück. Bei einem Portowert von 58 Cent kostete die Marke im Verkauf zwei Euro – inklusive Mäppchen.

10.000 Marken für 8428 Euro

Mehr als das Porto müsste auch Pforzheim berappen, um eine Sondermarke zu produzieren. Die Kosten sind abhängig von der Stückzahl der Bögen. Laut Online-Shop der Deutschen Post sind für ein Zehner-Blatt einer solchen individuell gestalteten 70-Cent-Marke 24,90 Euro fällig. Je höher die Stückzahl, desto besser ist aber das Angebot. So wären 500 Blätter mit je 20 Standardbrief-Marken, also insgesamt 10.000 Sondermarken zum Schmuckjubiläum, für exakt 8428 Euro zu haben.

Dass die Stadt eine solche Idee nicht für abwegig hält, zeigte die Aktion „Pforzheim liebt dich“, für die der Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim Marken mit der Aufschrift „bruddel net rum“ in Auftrag gab. Zu einer Marke macht auch die Pforzheimerin Viola immer wieder ihre Kunst – mit selbst gestalteten Wertzeichen.

Mehr zu markigen Eigenkreationen auf www.post-individuell.de

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