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Beantworten Fragen rund um Zuwanderung und Integration: Peter Boch, Andreas Kubisch, Gert Hager und Dimitrij Walter im Reuchlinhaus (von links). Foto: Seibel
Beantworten Fragen rund um Zuwanderung und Integration: Peter Boch, Andreas Kubisch, Gert Hager und Dimitrij Walter im Reuchlinhaus (von links). Foto: Seibel
21.04.2017

OB-Kandidaten stellen sich den Fragen des Internationalen Beirats

Wahrgenommen wird er mitunter als Minderheitengremium, tatsächlich ist er allerdings für die Mehrheit der Pforzheimer – genauer: 52 Prozent haben einen Migrationshintergrund – da, so Sozialbürgermeisterin Monika Müller: Am Freitag hat der Internationale Beirat den OB-Kandidaten Gelegenheit gegeben, ihre Antworten auf Fragen aus dem Themenkomplex Migration zu geben.

Im Vergleich zum kontroversen Vorabend in Hohenwart erlebte das Publikum im voll besetzten Reuchlinhaus eine harmonischere Runde des Wahlkampfs. Das Bekenntnis zur Stadtgesellschaft, die die Probleme gemeinsam lösen müsse, war in wechselnden Formulierungen von allen vier Bewerbern zu hören.
„Die Frage, wer woher kommt, darf sich gar nicht stellen“, sagte CDU-Kandidat Peter Boch. Gert Hager (SPD) erinnerte an Jahrzehnte, in denen „niemand über das Thema gesprochen hat“. Für Andreas Kubisch sind es die Kinder, die das Thema in der Schule am stärksten leben. „Die sind integriert. Das ist eher eine Geschichte der Älteren, einer deutschen Minderheit – und auch der Presse.“ Dimitrij Walter, der einzige Kandidat mit Migrationshintergrund, stellte sich selbst als gelungenes Beispiel vor – ein Beispiel, das auch anderen Mut mache, sich etwa politisch zu engagieren.
Die Fragen, die die Moderatoren Barbara Baron-Cipold und Gaetano Marrone aus dem Internationalen Beirat an die Kandidaten weiterreichten, waren vorab gesammelt worden. Sie betrafen Bereiche wie Kinderbetreuung, Leben im Alter, die Rolle des Vereinslebens oder auch die Überwindung von Sprachbarrieren, um sich in Alltag und Verwaltung zurechtzufinden oder auch nur die eigenen Rechte wahrnehmen zu können. Angesichts der breiten Themenfelder lag der Schwerpunkt nicht auf konkreten Daten wie etwa der Menge an fehlenden Kitaplätzen oder der Finanzierung einer Gewerbesteuersenkung, sondern auf der allgemeinen Richtung.
Hier schienen vor allem die Positionen von Boch, Hager und Kubisch grundsätzlich nahe beieinander. Walter sorgte hingegen mit einigen Thesen für hörbares Staunen im Publikum. Etwa, als er befand, dass ein ausländischer Name schon heute kein Problem mehr sei. Wenn jemand keine Arbeit bekomme, dann eben, „weil er nicht gut gearbeitet hat“.

Unterschiede ergaben sich meist weniger inhaltlich, denn perspektivisch. Während Hager als Amtsinhaber versuchte, Erfolge darzustellen – er hob Dolmetscherdienste in der Verwaltung ebenso hervor wie den Einsatz der Wirtschaftsförderung im Werben für die Stärken von Migranten sowie Projekte wie interkulturelle Salons –, rückte Boch die Arbeit der Vereine in den Fokus, forderte deren Förderung und Wertschätzung. Hier würde er auf jeden Fall „deutlich mehr tun, als dies bis jetzt der Fall ist“. Gerade Integration finde in Vereinen statt, so Boch, der beim Thema Teilhabe an seine aus Russland stammende Großmutter erinnerte, die 1942 als Kriegsgefangene nach Deutschland kam und auf die Menschen zugegangen sei. Kubisch und Walter kritisierten ebenfalls die Vereinspolitik sowie die Kürzungen im Zuge der Haushaltskonsolidierung.
Einigkeit bei den Oberbürgermeistern in spe herrschte darin, den Internationalen Beirat, der im vergangenen Jahr gegründet wurde, stärker ins politische Geschehen einzubinden – etwa durch den Vorschlag, diesen in einen beschließenden Ausschuss einzubinden. „Die Arbeit, die hier geleistet wird, ist von unschätzbarem Wert“, so Boch. „Wenn ich fachkundige Bürger habe, die sich engagieren, lege ich größten Wert auf ihre Meinung.“