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14.05.2009

OB-Kandidaten: 15 Minuten zum Vorstellen

PFORZHEIM. Vor rund 600 Bürgern im CongressCentrum haben am Donnerstagabend die vier OB-Kandidaten – zeitlich limitiert – ihr Wahlprogramm vorgestellt und sich anschließend den Fragen der Zuhörer gestellt.

Wer hat sich am besten präpariert – mit Argumenten, vor dem Spiegel trainiert, mit dem Lebenspartner geübt, auf dass jedes Wort sitze und vor allem: die Zeit eingehalten wird? Denn allen, die um die Spitzenposition im Rathaus kämpfen – Christel Augenstein (FDP), Gert Hager (SPD), Michael Schwarz (Freie Wähler) und Hans-Joachim Bruch (Liste Bürgerbeteiligungshaushalt) ist klar, dass Erster Bürgermeister Roger Heidt sehr genau auf seine Uhr blicken und nach einer Viertelstunde mit einem mahnenden Gong andeuten würde, dass das Limit erschöpft sei. Augenstein und Hager schaffen es gerade noch , Bruch kommt vor der Zeit zum Ende – nur Schwarz muss die letzten dreieinhalb DIN A 4-Seiten seines Manuskripts unverlesen lassen– und da steht das Wichtigste drin. Er hat zu viel Zeit vertrödelt mit persönlicher und beruflicher Vita. Da bleibt nicht viel für Fehleranalyse und Visionen. Nur soviel: Er will Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen, eine Schmuckmesse mit Fabrikverkauf und langer Einkaufsnacht etablieren, betriebswirtschaftliches Denken im Rathaus verankern und Privatisiertes zurückgeben in kommunale Hand.

Von daher fällt es ihm nach seinem selbst verschuldeten, überhasteten Abbruch nicht schwer, dem Konkurrenten Bruch vom Podium aus zu applaudieren, als der ebenfalls eine Re-Kommunalisierung fordert. Aber Bruch hat seine Zeit klüger eingeteilt, wirkt konzentrierter als noch am Abend zuvor im Kulturhaus Osterfeld, wo sich die Kandidaten spontan zu Fragen aus dem Publikum hatten äußern müssen. So kann der Nachrichtenttechniker noch unterbringen, dass er ein Verfechter von elektronischer Verwaltung, Effizienz, Energieeinsparungen, mehr Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit sei. In Bildung, Kultur und Sport sieht er die Basis für Gesundheit, Teamgeist und Integration – für ihn die Basis für das Vorbeugen von Kriminalität. Und er will den Stadtteilen ein eigenes Budget geben.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, er habe das mit Bürgermeister Gert Hager abgesprochen. Denn der haut in die selbe Kerbe: Die Ortsverwaltungen dürften nicht gezwungen sein, wegen jeder kleinen Anschaffung die Stadtverwaltung oder den Gemeinderat zu fragen. Er fordert darüber hinaus kleine Außenstellen der Verwaltung in den weiter draußen liegenden Stadtteilen. Auch wenn Hager dementiert: Er hat seinen Obama wie kein anderer verinnerlicht: Demut vor dem Amt, das er anstrebt, schonungslose Analyse, Blick nach vorn und der Appell an den Gemeinsinn der Bürger. Er bringt viel unter: Bildung, Wirtschaft, Verkehr, Sport, Ehrenamt, Haushaltsfinanzierung.

Klar, dass Amtsinhaberin Christel Augenstein zunächst auf Geleistetes verweist, aber zügig auf die ihr wichtigsten Punkte kommt: neue Ideen für neue Arbeitsplätze; Verkehrsplanung – man dürfe sich mit dem Knoten der Westtangente an der Autobahn nicht zufrieden geben–, die Entwicklung zu einer Stadt der kurzen Wege und des attraktiven Wohnumfelds sowie Verbesserungen im Bereich Bildung mit Macht voranzutreiben.