nach oben
03.03.2017

OB-Wahl in Pforzheim: Keine Kandidatin in Sicht

Pforzheim. Fünf Kandidaten treten nach jetzigem Stand am 7. Mai bei der Wahl zum Oberbürgermeister an – darunter keine einzige Frau. Wenn alles so bleibt, wäre dies die erste Wahl seit 1985 ohne weibliche Beteiligung: 1993 war Heidi Mall für die Grüne Liste angetreten, 2001 und 2009 Christel Augenstein (FDP) – erst als Herausforderin, dann als am Ende geschlagene Amtsinhaberin. Noch besteht allerdings eine Chance auf eine Kandidatin: Die Frist läuft noch bis 10. April

Weibliche Verwaltungschefs sind in den baden-württembergischen Kommunen allerdings immer noch eine Randerscheinung. Eine Studie des Landesamts für Statistik zählte 2013 unter mehr als 1000 hauptamtlichen Bürgermeistern 49 Frauen, darunter acht Oberbürgermeisterinnen. Drei der neun Stadtkreise in Baden-Württemberg (Baden-Baden, Freiburg, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim, Stuttgart und Ulm) hatten bislang eine Oberbürgermeisterin: Beate Weber war 1990 in Heidelberg die erste Frau überhaupt in diesem Amt, auch Baden-Baden (1998-2006 Sigrun Lang, seit 2014 Margret Mergen) und Pforzheim (Christel Augenstein 2001-2009) haben weibliche Führungserfahrung. Reutlingen, die einzige Kommune im Land über 100 000 Einwohner, die – noch – kein eigener Stadtkreis ist, wird ebenfalls von einer Frau regiert: Barbara Bosch. Die 1900 geborene Erika Keck, erste Bürgermeisterin bundesweit, wirkte im hohen Norden: Die Ärztin leitete ab 1948 das Rathaus von Ahrensburg in Schleswig-Holstein.

Allgemeiner Negativtrend

Frauen, so die Statistiker, würden sich nach wie vor selten zur Wahl stellen – siehe Pforzheim. Parallel dazu gibt es einen allgemeinen Trend

, was das Interesse am Amt des Rathauschefs in größeren Städten anbelangt. Wie der Leiter des Statistischen Amts Stuttgart, Thomas Schwarz, in einer Analyse der Bürgermeisterwahlen referiert, hat die Zahl, derer, die in den neun Stadtkreisen ihren Hut in den sprichwörtlichen Ring werfen, zwischen den Zeiträumen 1987/95 und 1999/2007 halbiert – von 11,2 auf 5,4 Bewerber. Im Zeitraum von 2010 bis 2015 traten im Durchschnitt gar nur mehr 4,3 Bewerber an. Pforzheim liegt also schon jetzt über dem Schnitt.

Zumindest bei den Männern. hak/erb