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28.03.2017

OB-Wahl-Countdown: Epfendorf allein zu Haus

Epfendorf ist zwar klein – aber oho, glaubt man den stellvertretenden Bürgermeistern Uwe Mei (Freie Bürger) und Holger Berndt (CDU/Freie Wähler). Seit einiger Zeit muss die Gemeinde im mittleren Schwarzwald ohne ihren Bürgermeister Peter Boch auskommen. Dieser verwendet bekanntlich seinen Jahresurlaub dafür, in Pforzheim für die CDU um den OB-Sessel zu kämpfen. Doch wie hält sich seine Gemeinde derweil eigentlich über Wasser?

Hauptsächlich trage ein vierköpfiges Team nun Bochs Aufgaben, sagt Mei. Dies besteht neben ihm selbst und seinem Kameraden aus Grundschulzeiten, Holger Berndt, aus Hauptamtsleiterin Nicole Ziegler und Kämmerin Verena Ordowski. „Es ist klar, dass man merkt und spürt, dass Herr Boch weg ist. Er fehlt uns schon“, so Mei. Aber wenn dem nicht so wäre, wäre das ja auch kein gutes Zeichen, meint der selbstständige Maschinenbau-Ingenieur. „Das Team im Rathaus funktioniert gut“, so der 52-Jährige. Und Boch sei ja schließlich nicht aus der Welt, sondern eben im Urlaub – wenn auch in einem ausgedehnten. Der Bürgermeister stehe für Fragen bei wichtigen Themen immer als Ansprechpartner bereit und komme, wenn nötig, auch in seiner Gemeinde vorbei.

Dennoch, räumt Mei ein, Bochs vier Urlaubsvertreter seien „gut ausgelastet“. Kein Wunder, machen Mei und Berndt (53) die Aufgaben doch ehrenamtlich neben ihrem Beruf. „Es ist im Moment herausfordernd, sich neben der Arbeitszeit die Freiräume für die ehrenamtliche Aufgabe zu schaffen“, sagt Berndt. Der Diplom-Verwaltungswissenschaftler arbeitet im Vertrieb der SAP Deutschland, und ist demnach „Multitasking gewohnt“. „Vor allem die Abend- und Wochenendtermine sind prägend“, sagt er. Dabei gehe es hauptsächlich darum, das Vereinsleben zu unterstützen, an Generalversammlungen teilzunehmen, Altersjubilare zu besuchen. Für Aufgaben wie diese haben Mei und Berndt die vier Stadtteile untereinander aufgeteilt. „Mei und ich ergänzen uns prächtig, bereiten alle Sitzungen und Termine gemeinsam vor und agieren abgestimmt. Beide Stellvertreter wissen alles – das ist das Kredo. Falls einer mal ausfällt“, berichtet Berndt, der seit 2004 im Gemeinderat und seit acht Jahren der zweite Stellvertreter des Bürgermeisters ist.

Die weit schwierigeren Aufgaben seien in der Verwaltung zu leisten, sagt Mei. Dort leite er die Gemeinderatssitzungen und stehe ab 16 Uhr für Gespräche zur Verfügung. „Da ich selbstständig bin, kann ich mir auch mal tagsüber zwei Stunden freischaffen“, sagt er. Termine versuche er dennoch wenn möglich auf den späten Nachmittag zu verabreden. „Ich muss es so legen, dass es meinen Lebensunterhalt und Erwerb nicht belastet“, sagt der Ingenieur.

Vor allem ein großes Projekt binde derzeit die Aufmerksamkeit: der Verkauf von Gewerbeflächen im „neuen und riesigen Gewerbegebiet Schroten“, sagt Berndt. „Das kommt jetzt zum Fliegen.“ Mit den Einnahmen und den öffentlichen Fördermitteln könnten dann weitere Projekte gestemmt werden, wie die weitere Umsetzung des auch von Boch initiierten Gemeindeentwicklungskonzeptes für alle Ortsteile. „Hier sind tolle (und teure) Ideen entstanden, die es zeitnah umzusetzen gilt.“

So richtig ins kalte Wasser sei er glücklicherweise nicht geworfen worden, sagt Mei. Schließlich sei er seit 18 Jahren Mitglied im Gemeinderat und seit sieben Jahren stellvertretender Bürgermeister. Durch regelmäßige Termine und Besprechungen mit dem Bürgermeister wisse er schon „was läuft“. Falls Boch es schaffen sollte, die OB-Wahl in Pforzheim zu gewinnen, sei man in Epfendorf jedenfalls „für alle Fälle gerüstet“.

„Aber wir würden Herrn Boch sehr ungern gehen lassen“, stellt Mei klar, „er hat hier schon viel angestoßen.“ Darum gehe man in Epfendorf derzeit keine konkreten Schritte, solange nicht feststehe, wie die Wahl ausgehe. „Es findet keine Kandidatensuche statt oder so“, sagt Mei. Man bereite aber eine Ausschreibung für Bochs Posten vor, die zum Einsatz kommen könnte, „wenn es soweit ist“.

Während die Pforzheimer Stadtverwaltung betont, es gebe noch keinen fixen Termin für eine mögliche Amtseinführung eines Herausforderers, geht Mei diesbezüglich vom 1. August aus. Boch werde – so viel sei sicher – ab dem 29. Mai wieder in Epfendorf sein und dort weiter arbeiten, bis er im Fall eines Wahlsiegs die Stelle in Pforzheim antreten werde. Durch die Einhaltung der nötigen Fristen bei der Stellenausschreibung wird der Bürgermeister-Posten in Epfendorf in diesem Fall wohl erst im September oder Oktober neu besetzt werden können. Die Zeit dazwischen hätten dann wieder Bochs derzeitige Urlaubsvertreter zu stemmen. bel